Die Band hieß Arcade Fire – die zukünftigen Grammy-, Juno-, Polaris- und Brit Awards-Gewinner. Auch nach drei Alben ist die Band um das enigmatische Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne noch immer Liebling der alternativen Rock-Szene. Ihr theatralisches neues Doppelalbum Reflektor, ein Füllhorn von Einflüssen – von haitianischer Rara Musik über Marcel Camus’ Film Black Orpheus bis zur Existenzphilosophie Søren Kierkegaards – hat die kritische Begeisterung weiter angefacht, für die das 2005 erschienene und inzwischen als Meilenstein geltende Debütalbum Funeral den Grundstein legte.Parry hat als Absolvent der Concordia University in Montreal die esoterischen Unterwelten der elektroakustischen Musik erforscht und sich seine Unvoreingenommenheit und die Lust auf Musik in all ihren unendlichen Formen bewahrt. So hat ihn Arcade Fire, für die er von Kontrabass bis Celesta, von Akkordeon bis Keyboard alles spielt, zwar bekannt und reich gemacht, doch seinen Hunger auf das andere konnte die Band niemals stillen.
VAN: Auch als zentrales Mitglied von Arcade Fire führst du ziemlich beharrlich und regelmäßig andere musikalische Projekte fort — darunter deine Instrumentalband Bell Orchestre und Kollaborationen mit Leuten wie Bryce Dessner von The National und Nico Muhly. Sind diese Projekte eine direkte Reaktion auf das ungeheure Ausmaß der Aufmerksamkeit und die damit einhergehenden Beschränkungen dessen, was es bedeutet, Teil einer so etablierten Rockband zu sein?
Richard Reed Parry: Es gibt eine sehr ausgeprägte öffentliche Vorstellung davon, was die Band Arcade Fire ausmacht. Natürlich kann man diese Erwartungen zerstören und auf diese Art wachsen, auf die Bühne kommen und einfach Kammermusik spielen. Aber das ist nicht das, was die Leute von uns hören wollen. Also muss ich mein Bedürfnis nach anderer Musik und Herangehensweise anders befriedigen. Und die Größe der Band führt dann tatsächlich dazu, dass ich mich manchmal in eine sanftere und ruhigere Welt zurückziehe.

