VAN: Die Cellistin Elena Cheah schreibt in »Spiel auf Probe« über die extreme Stresssituation eines Probespiels für eine Solo-Cello Stelle beim Concertgebouw-Orchester in Amsterdam. Wie gucken Sie auf dieses Ritual?

Michael Bohne: Das Probespiel ist aus Sicht des Orchesters ja eine Personalauswahlmaßnahme und geht als solche vollkommen am Bedarf vorbei. Man muss dort oft musikalisches Material vorstellen, mit dem man später in dieser Form nicht mehr konfrontiert wird. Ganz absurd wird es, wenn einer für eine Tutti-Stelle vorspielt und dann aber innerhalb von ein paar Minuten zeigen muss, dass er ein großer Solist ist. Die Orchester fragen im Grunde nicht ab, was sie brauchen. Weil die Musiker, die dorthin fahren, auch dadurch noch unglaublich gestresst sind, ist es aus beiden Perspektiven absurd. Bei Solo-Stellen wiederum wird auf notwendige Führungskompetenzen gar nicht geachtet. Um Menschen zu führen, muss man viel mehr und ganz andere Dinge können als nur toll Geige zu spielen. Und: Kein anderes Spitzenleistungsunternehmen würde alle Mitarbeiter über Personaleinstellungen mitentscheiden lassen.


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... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com