Vor Jahren tauchte in Belgien ein Chansonnier aus dem 15. Jahrhundert auf – eine kleine Sensation auch deshalb, weil es zwölf bis dahin unbekannte Lieder enthielt. Der Lautenist Marc Lewon spielte sie mit seinem Ensemble Leones erstmals ein, die Aufnahme ist jetzt erschienen. Als Lautenist und Fidelspieler gilt Lewon als Spezialist für Musik der Gotik und der Renaissance. Er hält eine Professur für mittelalterliche Lauteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis und war bisher an mehr als 50 CD-Produktionen beteiligt. Hier berichtet er, was uns das Buch verrät.

Marc Lewon • Foto: Uri Smilansky via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

VAN: Wann gibt es das schon mal, dass ein Buch mit Liedern aus der Renaissance entdeckt wird?

Marc Lewon: Als ich das hörte, war ich gebannt und dachte: Ein Ding, dass nach vielen Jahrzehnten mal wieder ein komplett erhaltenes Buch mit burgundischen Chansons auftaucht und dann auch noch zwölf Unica enthält, also bis dahin unbekannte Werke. Ich hatte auch gleich den Wunsch, die Kompositionen einzuspielen.   


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… stammt aus Leipzig, lebt seit Ewigkeiten in Berlin, hat Drechsler gelernt, verdient aber seit gut drei Jahrzehnten sein Geld mit Wortdrechseleien. Von Kindesbeinen an liebt er alles, was unter den Begriff der »Klassik« fällt. Sein Spezialgebiet ist die Vokalmusik der Renaissance und des Barock, insbesondere die Oper.