Das Probespiel ist eines der veränderungsresistentesten Rituale in der klassischen Musikkultur. Obwohl auch viele Orchestermusiker:innen seine Sinnhaftigkeit als Personalauswahlverfahren in Frage stellen, ist sein Ablauf seit Jahrzehnten mehr oder weniger gleich geblieben. Kritik wird dabei oft achselzuckend mit einer vermeintlichen Alternativlosigkeit begegnet: »Wir wissen, dass es schlecht ist, aber es geht nun mal nicht anders«. In ihrer Doktorarbeit Das Probespiel als Personaldiagnostik: Probleme und Lösungsansätze, die im Herbst im LIT-Verlag als Teil der Schriften des Instituts für Begabungsforschung in der Musik erscheint, hat Kathrin Bellmann das Probespielverfahren erstmals einer musik- und personalpsychologischen Analyse unterzogen. Kernstück ist dabei eine empirische Studie in Kooperation mit der Jungen Deutschen Philharmonie, in der Bellmann ein reales Probespiel experimentell mitgeplant und durchgeführt hat.
Bellmann war selbst als Flötistin in verschiedenen Orchestern tätig und arbeitet heute nach einem Psychologiestudium und einem kurzen Abstecher in die Unternehmensberatung als Personalpsychologin an der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden.
Hartmut Welscher sprach mit ihr über die Ergebnisse der Studie und die notwendige Reform eines Initiationsritus.
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