In natura sieht Jonathan Tetelman viel sympathischer aus als auf dem Coverfoto seiner neuen CD, das ihn zu einem italienischen Macho stilisiert. Und auch im Gespräch sowie auf der Bühne ist ihm jedes Gehabe fremd. Vielleicht, weil er als einstiger DJ in New York auch das Leben jenseits der Oper kennenlernte. Seiner Liebenswürdigkeit zu widerstehen ist jedenfalls schwer – gerade auf der Bühne des Baden-Badener Festspielhauses, wo er als Werther im gleichnamigen Drame lyrique von Jules Massenet sein Europa-Debüt gab. Seine Angebetete, Charlotte, sang die ebenfalls amerikanische Mezzosopranistin Kate Lindsey, die in eine emotionale Zerreißprobe zwischen Ehegefängnis und Freiheitsdrang gerät. Und es ist zuerst Tetelmans Stimme, die dieses Seelendrama auslöst, und auch das Publikum ergreift. Ich spreche Tetelman vor der Premiere.
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