Als Catherine Lamb und ich uns zum Interview in einem Westberliner Park treffen, werden wir zuerst vom lauten, virtuosen Gesang eines Vogels im Gebüsch hinter uns zum Umzug auf eine Wiese gezwungen. Dort angekommen bittet uns ein Mann um Wasser für seine Hunde; wir geben es ihm, er geht, und wir versuchen, weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Kurz darauf kommen aber seine Hunde wieder an, die sich wenig für die Post-Feldman-Ära interessieren und mit uns Stöckchen-Holen spielen wollen.
Lamb macht oft längere Denkpausen und ist trotzdem eine lockere Gesprächspartnerin. So führt sie mich, trotz Unterbrechungen von außen, durch ihre Musik, die geprägt ist von unkonventionellen Stimmungssystemen, langsamen Entfaltungen und großen Zeitspannen. Eine Frage zur Interpretation ihrer Musik als Widerstand – gegen westliche Stimmungssysteme und Konzepte wie Virtuosität und Komplexität – beunruhigt sie, doch erst etwas später im Gespräch verrät sie, warum.
VAN: Haben Sie heute Musik gemacht?
Catherine Lamb: Ja, ich war nicht ganz fokussiert, darum habe ich die Bratsche wieder in die Hand genommen. Früher habe ich täglich geübt, aber nach der Geburt meines Sohnes vor allem komponiert. Dabei fühle ich mich viel besser, wenn ich wenigstens ein bisschen Bratsche spiele.

