Das Gesamtwerk von Anton Webern passt auf sechs CDs. Bedarf es bei einem rekordverdächtig kleineN, oder besser: kurzeN Oeuvre eines KOmponisten überhaupt einer kritischen Gesamtausgabe?

Das Gesamtwerk von Anton Webern ist in der Tat nicht besonders umfangreich. In sich stellt das Werk Weberns jedoch ganz besondere Ansprüche, denen bisher in der Webern-Forschung noch nicht entsprochen wurde. Das betrifft vor allem die verschiedenen Fassungen Webernscher Werke, die es gibt. Diese sind zwar in der Forschung größtenteils bekannt, ihre konkrete Verfasstheit ist jedoch bisher kaum berücksichtigt worden. Und um sich genau darum zu kümmern, dafür gibt es die Anton-Webern-Gesamtausgabe.

Was für Unterschiede gibt es denn in den verschiedenen Fassungen?

Das kann alle Dimensionen der Musik betreffen. Die Wiedererkennbarkeit des Stückes ist in der Regel allerdings gewährleistet. Aber bei der sowieso schon konzentrierten Charakteristik dieser Musik können natürlich Detailunterschiede schon sehr viel ändern. Ein Paradebeispiel dafür ist das letzte der Vier Stücke für Geige und Klavier op.7 aus dem Jahre 1910. Da gibt es eine Passage mit einer radikalen Änderung. In der frühen Fassung sind die letzten Einwürfe der Violine als eine Art Glissando notiert. Darüber gibt es auch schon in der Forschungsliteratur Schilderungen und Analysen. Webern beschreibt das Glissando sehr von seiner Klanglichkeit her – und notiert, was für eine Art von Klangeffekt er haben will. In der gedruckten Fassung etliche Jahre später stehen da an der gleichen Stelle plötzlich dezidierte Tonhöhen, die diese Figur als eine motivisch-thematische Figur deklarieren. Das Klangliche tritt dabei scheinbar in den Hintergrund.


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... ist Konzertveranstalter, Moderator, Komponist und Pianist. Er gestaltet innovative Konzertformate, arbeitet als Musik-Satiriker, schreibt Stücke für Solist:innen und Ensembles und Texte für VAN, die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonics und die Bamberger Symphoniker. 2019 war er als Schauspieler an der Volksbühne zu erleben.