Meinem Besuch im Staatstheater Cottbus droht bereits an der Bühnenpforte das vorzeitige Aus: »37,6 Grad!« grummelt der Pförtner und wedelt mit einem Thermometer vor meiner Nase. »Dit sieht nich jut aus. Wir wollen uns ja keen Superspreader ins Haus holen«, sagt er und presst das Thermometer gleich noch einmal an meine rechte Schläfe. Schuld am Temperaturanstieg ist der Sprint, den ich vom Bahnhof zum Schillerplatz hinlegen musste, wegen der Zugverspätung. Dazu die Ehrenrunde um den prächtigen Jugendstilkoloss, vorbei an Streitwagen-ziehenden Panthern, Laternen, die aus dem Rücken einer Sphinx wachsen, geflügelten Greifen über glitzernden Wasserfontänen und dicken Putten, die um steinerne Blumenbouquets tanzen. Der Bühneneingang liegt versteckt in einer Nische. Ich ringe nach Atem und einer Erklärung. Der Pförtner schüttelt missbilligend den Kopf, seufzt und drückt mir das Thermometer jetzt an die linke Schläfe. »Naja, nu siehts n’ bisschen besser aus: 37,4. Aber lassn’ Se bloß die Maske uff!«
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