Wenn man jemanden ins Herz geschlossen hat, ist das auch daran zu merken, dass man empfindlich auf Kritik an ihm oder ihr reagiert. Ich war schon rund achtzehn Monate mit Miss Smyth unterwegs, oder Ethel – Dame Ethel wurde sie ja erst, nachdem sie sich das Rauchen abgewöhnt hatte –, da las ich ein paar süffisante Zeilen von Vita Sackville-West über sie, im Nachwort zu einer Biographie: etwas Mokantes über ihre Hunde und dass sie ja recht anstrengend gewesen sei. Und ich dachte: Ach, du verwöhnte Vita, du Aristokratin, du weißt doch überhaupt nicht, was Ethel so alles mitgemacht und durchgemacht hat! Als wenn ich das selbst besser wüsste… Und die kreischende Empörung, mit der Alban Berg Stücke geißelte, die sie in Wien dirigierte, »das dümmste was man sich vorstellen kann«, hat bei mir Skepsis ihm, nicht ihr gegenüber ausgelöst.   


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.