Einer der Gründe für den wahnsinnigen Erfolg der Romantrilogie Das Leben des Vernon Subutex, die inzwischen auch zur TV-Serie wurde und auf etlichen Bühnen als Theateradaption gespielt wird, ist der Job, den der Titelheld verloren hat, mitsamt dem Laden, der ihm gehörte. Ein Plattenladen in Paris, Nähe Bastille, genannt »Revolver« wie das Album der Beatles von 1966, dem mutmaßlichen Geburtsjahr von Vernon. Seine Erfinderin Virginie Despentes hat selbst mal in einem Plattenladen in Paris gejobbt und den »Napster-Tsunami« miterlebt, wie sie das nennt, den Anfang vom Ende der physischen Tonträger und ihrer stationären Händler. Vernon ist am Ende von Band eins obdachlos.
Die Musiktauschbörse Napster ging 1999 online, zwei Jahre später wurden dort rund zwei Milliarden Dateien getauscht, bezahlen musste man nichts. Die Folge: weltweiter Umsatzeinbruch bei Tonträgern, vor allem im Bereich Pop und Rock. Vernon kann seinen Laden noch bis 2006 durchbringen, dann macht er dicht. Er ist Mitte 40, als er auf der Straße sitzt. Da der Kultladen »Revolver« zugleich sein Jagdzentrum als serial lover war, ist es auch eine Geschichte über das Älterwerden seiner Generation, ihren Verlust an Attraktivität. Das sollte man bedenken, wenn man als Ü50er anfängt, der CD nachzutrauern, deren Anteil am weltweiten Gesamtumsatz in zehn Jahren bis 2019 von 60 auf 22 Prozent fiel.

