Mit einer Hand auf dem Herzen und der anderen locker in der Flügelbeuge abgelegt, steht Doğa Eren Birlik auf der Bühne des Süreyya-Kulturzentrum in Istanbul und singt aus tiefster Seele. Es ist ein besonderer Tag für die gerade mal 22-jährige Türkin: Sie hat es in die Finalrunde des Suna Korad Gesangswettbewerbs geschafft. Dafür hat sie die schöne und schwierige Arie O mio Fernando von Donizetti vorbereitet. Ihre Stimme flutet den Saal, ihr violett glitzerndes Kleid schimmert im Scheinwerferlicht.

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Doğas Weg auf die Bühne ist kein einfacher: Als trans Frau muss sie mehr als andere dafür kämpfen, dass ihre Stimme gehört wird, und außerdem täglich um ihre Sicherheit fürchten. Studiert hat sie am Konservatorium in Zonguldak. Dort ist sie zunächst als Mann angemeldet. Im dritten Jahr entdeckt sie ihre Transidentität und wird vom Countertenor zur Mezzosopranistin.

Ich treffe Doğa virtuell über Google Meet, um mit ihr über ihre Erfahrungen zu sprechen. Sie ist gerade erst für ein Masterstudium in die Stadt Eskişehir gezogen, wo vor ein paar Tagen das Semester begonnen hat. Sie wirkt etwas gehetzt und müde, in ihren Augen liegt eine große Verletzlichkeit. Während sie immer wieder ihr Smartphone als Übersetzungshilfe heranzieht, erzählt sie mir geduldig und vertrauensvoll von den positiven Auswirkungen der Transition auf ihre Stimme, von schmerzhaften Diskriminierungen und ihrem innigen Wunsch, in Deutschland zu studieren.


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… lebt in Berlin und arbeitet als freischaffende Sängerin und Musikjournalistin (u.a. für Opernwelt, Crescendo, TAZ).