Heute soll einmal anfangen, was mir schon länger im Hinterkopf sitzt, nämlich die kritische Würdigung einer zu Unrecht übersehenen Textsorte. Wer Musik nicht bloß als Tapete hört, ist ja doch auch ein wenig Leser oder Leserin, nämlich der mal kurzen, mal ausführlichen, häufig belanglosen, gelegentlich inspirierenden Wortbeigaben, einst als liner notes auf den Rückseiten der Plattencover, jetzt als booklets und oft in Mikroschrift den meist lieblosen und manchmal liebevollen CD-Verpackungen beigelegt und jedenfalls bei den guten Streamingdiensten auch online lesbar. Ich schaue immer rein und bin eigentlich meist enttäuscht: Kaum zu glauben, was für einen oberflächlichen Murks oder dummes PR-Geschnatter da selbst seriöse Künstlerinnen und Künstler oder ihre Labels ihren ambitionierten Aufnahme-Projekten anhängen. Und wie schön und durchaus wirksam (im Sinne eines inspirierten Hörens), wenn da mal was Kluges oder mindestens Nützliches drinsteht und wenn das Ganze nicht nur lesbar, sondern auch schön gestaltet anzuschauen ist. Wie gesagt: das meiste Murks, Autor:innen werden schlecht bezahlt, keiner hat mehr Zeit für Sorgfalt; und wer guckt schon aufs Kleingedruckte, der erste Eindruck zählt, was ja keineswegs die Millionen gruseliger Cover-Fotos verhindert, aber das ist ein anderes Thema. Schlimm.


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…ist Musikjournalist und war bis 2023 Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund, wo er den Studiengang Musikjournalismus leitete. Er ist im WDR und Deutschlandfunk zu hören und schreibt u. a. für Opernwelt und die FAZ. 2020 erschien sein Buch ›World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution.‹