»Durch die Ansprache der Fantasie merkt man gar nicht, dass man sich bewegt, und plötzlich macht man Sachen, die einen selbst ganz überraschen.« So erklärt mir eine Teilnehmerin des Tanzprojekts Connect, wie sie die wöchentlichen Trainings erlebt. Zwischen Gemälden von Ferdinand Hodler haben etwa 30 Mitwirkende in der vorangegangenen Stunde mit einer Performance von Martha Graham gearbeitet oder tanzend zu Ausschnitten aus Jean Sibelius’ siebter Sinfonie die Wassermassen der Ostsee nachempfunden, die auf Granitfelsen treffen.

Die Choreografinnen Clare Guss-West und Lucia Gugerli tanzen vor oder mit oder beschreiben sehr bildlich, um welche Art von Bewegung es geht. Zum Beispiel um eine Welle, bei der sich der ganze Körper langsam aufbäumt, bis am Scheitelpunkt die Woge bricht und schnell zu Boden fließt. »Einfach ausgedrückt geht es darum, die Aufmerksamkeit von der bewussten Kontrolle der Körperteile wegzulenken«, erklärt mir Clare (bei den Connect-Trainings duzen sich alle). »Wir wenden eine sehr spezifische Strategie an: Wir arbeiten mit Bewegungsqualitäten, Musik, Rhythmen, Hören, Beobachten oder Bildern. Es geht viel mehr darum, wie man sich bewegt, um die Qualität und nicht um die konkrete körperliche Bewegung.« So ist es auch möglich, im Sitzen oder zusammen mit den drei freiwilligen Helferinnen zu trainieren oder die Bewegungen in Gedanken auszuführen. »Im Grunde können alle den Anweisungen folgen, und das ist unser Ziel.« Die Musik dazu stammt bei diesem Trainingsblock von Tobias Huber, Hornist beim Tonhalle-Orchester. Er improvisiert mit den Tanzenden und steuert dabei mal Ausschnitte aus Sibelius’ 7. Sinfonie, Anna Thorvaldsdottirs Metacosmos und Jörg Widmanns Towards Paradise bei, mal Lautmalerei oder Geräuschhaftes. Immer wieder wird auch auf die Gemälde Bezug genommen: auf das Abgebildete, die Stimmung oder auf Maltechniken und Materialien, die in Bewegungen umgesetzt werden. 


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com