In Gotteshäusern werde ich hibbelig und bei Beerdigungen reiße ich Witze. Man könnte mich also mit Fug und Recht als pietätlos bezeichnen. Aber einmal habe ich göttliche Präsenz verspürt, an einem Mittwoch im College, während einer Chorprobe. Mitten in John Rutters Requiem gab es diesen einen gemeinsamen Moment. Meine Stimme wurde die meiner Nachbarin. Unser Atem verschmolz zu einer Einheit, zu flüssigem Gold. Da verstand ich, was Spiritualität bedeutet. Und dass sie zutiefst lebendig ist.

»Musik ist eine menschliche Technologie, die Zugang zum Göttlichen schafft«, sagt mir Ryan Dohoney, Professor für Musikwissenschaft an der Northwestern University. »Was Freud das ›ozeanische Gefühl‹ nannte – Musik gibt uns das.« Musik ergreift uns, Menschen wie mich. 


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… ist Autorin, Wissenschaftlerin und Musikerin. Sie lebt in Chicago.