Bis vor gut 100 Jahren waren die meisten Interpreten auch Komponisten. Im Lockdown knüpfte Andreas Staier, Cembalist und Fortepiano-Spieler, daran an. Und an seine Liebe zu Bach. Statt einer Anfängerarbeit wurde daraus die Entdeckung des Cembalos als autarkes Medium der Gegenwart.

Eine Erzählung unter bewölktem Himmel, nachdenklich, mit großem Atem, mit Unausgesprochenem, das mit einem Blick zum Horizont zu ahnen ist. Ein Raum von Klängen großer Farbigkeit, mit graphisch genauen Konturen, Notieren und Sehen verbindend. Man könnte es auch analytischer sagen: Das Material eines sechstönigen Akkords wird in vier verschiedenen Geschwindigkeiten kanonisch durchgeführt. Das ist aber nur eine technische Teilansicht. Das andere ist der Ersteindruck, ohne Noten, ohne Vorbereitung, Grund dafür, dass ich auf alles gespannt bin, was noch folgt an diesem Abend und im CD-Erstschnitt der Stücke, die Andreas Staier in der Kölner Philharmonie zum ersten Mal spielt, sechs Kompositionen für Cembalo von 2020, Anklänge genannt.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.