Heute, am 2. November 2022, wird die walisische Komponistin Hilary Tann 75 Jahre alt. Geboren wurde sie folglich am 2. November 1947 – in der Region Mountain Ash, in Südwales; einer bedeutenden Kohlebergbauregion. Auf ihrer Webseite schreibt die Künstlerin, sie würde heute an den Füßen der Adirondack Mountains in Upstate New York leben. Mountains hier, Mountains dort. Diese Komponistin liebt offenbar die Berge.

Über Tanns (möglicherweise schon sehr musikalische) Kindheit und ihre Ausbildung erfährt man nur sehr wenig. An der University of Wales in Cardiff sowie an der renommierten Princeton University studierte sie Komposition und schloss an beiden Institutionen ihr Studium mit einem Diplom ab. Tann selbst hebt, statt über ihre frühen Jahre zu sprechen, stets ihre Naturverbundenheit und ihr Interesse an der Musik anderer Länder hervor. Vor allem habe es ihr die japanische Shakuhachi-Flöte angetan, mit der sie sich im Zeitraum 1985 bis 1991 besonders intensiv beschäftigt habe. Das Studium der Shakuhachi-Flöte mündete schließlich 1996 in der Komposition des Orchesterwerks From afar, das – 1996 uraufgeführt vom Knoxville Symphony Orchestra – 2000 auch vom BBC National Orchestra of Wales gegeben wurde. Das Werk wurde anschließend 2003 vom International Festival of Women in Music Today am Seoul Arts Center in Südkorea für eine dortige Wiederaufführung ausgewählt. Auch vom Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und von anderen britischen Klangkörpern erhielt Tann immer wieder Kompositionsaufträge.

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Hilary Tann ist aktuell Musikprofessorin am Union College in Schenectady (New York). 2011 war sie »Composer in Residence« an der Eastman School of Music in Rochester (ebenfalls im US-Bundesstaat New York), 2013 Residenzkünstlerin beim Women Composers Festival in Hartford sowie 2015 »Artist in Residence« beim Welsh Music Center. Man rühmt ihre Musik als eine von »lyrischer Schönheit« – und verweist häufig auf die sich auch in Tönen ausdrückende Naturverbundenheit der Komponistin.


Hilary Tann (* 1947)
Winter Sun, Summer Rain für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug (1986)

Bislang schrieb Hilary Tann Werke für Orchester (in verschiedenen Größen), Chöre und Kammermusikbesetzungen. 1986 legte sie Winter Sun, Summer Rain vor – und schon der Titel zeugt von der Liebe zur Natur der Komponistin.

Musik, die sich nicht durch Dissonanzen unnötig »modern« macht, die aber auch nicht durch tonale Affirmationen nervt: Hilary Tanns ›Winter Sun, Summer Rain‹ in @vanmusik. Klick um zu Tweeten

Ein Cello beginnt ganz allein, etwas anfangs noch Diffuses von »Schmerz« und »Einsamkeit« zu erzählen. Dann friert das Cello quasi fest – und gerät hinein in eine fröstelnde Winterlandschaft, in der nur eine kurz trillernde Klarinette Möglichkeiten eines hoffnungsvollen Vogelfrühlings realistisch erscheinen lässt. Durch Celesta-Akkorde und schließlich auch Einzelaktionen wird das zusammenkommende Instrumentengeflecht wie in Nebel gehüllt – und da befindet sich das Cello auch schon wieder allein auf weiter Flur. Musik, die sich nicht durch Dissonanzen unnötig »modern« macht, die aber auch nicht durch tonale Affirmationen verwässert wird. Eigenartig und schön! ¶

Arno Lücker

... ist Konzertveranstalter, Moderator, Komponist und Pianist. Er gestaltet innovative Konzertformate, arbeitet als Musik-Satiriker, schreibt Stücke für Solist:innen und Ensembles und Texte für VAN, die Wiener Philharmoniker, die New York Philharmonics und die Bamberger Symphoniker. 2019 war er als Schauspieler an der Volksbühne zu erleben.