»Wer wäre heute noch so wahnsinnig, ein solches Haus zu gründen?«, fragt der Berliner ›Tagesspiegel‹ zum 20-jährigen Bestehen des Berliner Radialsystems. Die Gründer Jochen Sandig und Folkert Uhde hatten sich damals unter anderem verpflichtetet, mit jeweils bis zu vier Millionen Euro privat für die Mieteinnahmen des ehemaligen Abwasserpumpwerks V zu haften. Das Radialsystem V (wie es zunächst hieß), mauserte sich bald zu einer Ankerinstitution für die freie Szene, in der nicht nur aufgeführt, sondern auch erarbeitet und geprobt wird. Sasha Waltz entwickelt hier ihre Stücke, genau wie Nico and the Navigators, das Solistenensemble Kaleidoskop und das Andromeda Mega Express Orchestra sind regelmäßige Gäste.
2018 erwarb das Land Berlin die Immobilie und sicherte sie somit dauerhaft vor einem Verkauf durch den ehemaligen privaten Besitzer. Allerdings ist die Landesförderung, verglichen mit anderen großen Berliner Kulturinstitutionen, nach wie vor verschwindend gering, Förderzusagen gibt es immer nur für maximal zwei Jahre. Wenige Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt spreche ich mit Geschäftsführerin Merit Vareschi und Geschäftsführer und künstlerischem Leiter Matthias Mohr über die Besonderheiten und die Zukunft des Hauses. Mohr kommt gerade aus einer Fachgruppensitzung zum Berliner Kulturfördergesetz, das Finanzierung und Entwicklung von Kultur in der Stadt unabhängig von der jeweiligen Landesregierung sichern soll.
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