Fidesz’ Landnahme begann lange vor 2010. Während der ersten Orbán-Regierung wurde neben dem neuen Nationaltheater, dessen Neubau damals heftige Reaktionen auslöste, mit dem Palast der Künste (Müpa) einer der bis heute besten Konzertkomplexe Europas errichtet. Zu dieser Zeit begann auch das großangelegte Sponsoring; gewinnorientierte Organisationen fingen an, Spielstätten, Ensembles und Interpreten zu unterstützen. Eine, wenn auch nicht die einzige Form davon war das 2008 ins Leben gerufene und später berüchtigt gewordene Kultúr-TAO-System (ein System zur steuerlichen Begünstigung von Kulturspenden). Das Wesen des Systems bestand darin, dass Ensembles und Spielstätten, die bis dahin aus staatlichen oder kommunalen Mitteln finanziert wurden, die Körperschaftssteuer (TAO) von Unternehmen erhalten konnten – und zwar in einer Höhe von bis zu 80 Prozent ihrer Ticketeinnahmen aus dem Vorjahr. In der Folge zogen sich Staat und die Kommunen langsam aus der Finanzierung zurück; manche Kommunen begannen sogar, Miete für Gebäude zu verlangen, die von den Ensembles bis dahin kostenlos genutzt worden waren. Das TAO-System sorgte immerhin dafür, dass der Klassik-Sektor die Auswirkungen der Wirtschaftskrise von 2008 gar nicht oder nur gedämpft spürte.
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