Meist war das Scherzo der Underdog eines viersätzigen Werkes in Sonatenhauptsatzform, also beispielsweise innerhalb einer Symphonie, eines Streichquartetts oder einer Klaviersonate. Meist kurz, in einem stets schnellen, manchmal gar wilden, zumindest lebhaften Dreier- oder Sechser-Takt. Scherzo – der ewige dritte Satz; der nicht sehr lang bleibende – nicht so sehr geliebte – Bruder, der durchaus etwas unangenehm Teuflisches in den Augen funkeln hat.
Emanzipiert hatte sich das Scherzo aus dem Menuett hervorgehend. Das Menuett ist, um bei diesem etwas schiefen Bild einer gattungsspezifischen Familienaufstellung zu bleiben, der alte lahme Bruder des Scherzos; aus dem Frühbarock kommend, als ein nicht unbedingt hektischer, dabei schiefrundgepuderter Schreittanz mit Perücken bei Hofe. Schauen Sie sich Filme an, die in der Barockzeit spielen. Dort wird meist irgendwann Menuett getanzt. Der eine Typ schaut zu der hübschen Dings rüber; man dreht sich, die Kostüme quietschen. Niemand mag Menuett. Aber bei Hofe macht man halt so mit. So ist das eben im Barock. Doch niemand tanzt Scherzo! Ein Scherzo wird gespielt! Von einem diabolisch dreinschauenden Pianisten gefälligst, den wir dann anschließend akklamierend bewundern müssen.

