Verdienstvolle List, wenn man einen magnetisch anziehenden Namen in den Dienst von dem stellt, was kaum einer kennt. Der Vehikel-Name lautet in dem Fall Lang Lang, und Nutznießende der Kollateral-Adhäsion ist die einzige Sinfonie von Hans Rott. Die wurde, neben der Aufführung durch ein Uni-Orchester, in Berlin zuletzt 2018 vom RSB unter Sebastian Weigle gespielt. Jetzt also von den Berliner Philharmonikern. Und wenn ich auch diese Rott-Sinfonie nicht, sagen wir, alle zwei bis drei Jahre hören muss wie die Brahms-Sinfonien, so ist zumindest einmal pro Jahrzehnt wirklich sehr schön!
Denn diese einstündige Sinfonie in E-Dur, mit der der junge Rott kurz nach 1880 in Wien nicht durchdrang und die seine letzte blieb, weil er danach dem Wahnsinn verfiel und jung starb, ist ein imposantes Getüm. Ansteckende Freude an sakraler Bläsermajestät zeichnet ihren alla breve stehenden Kopfsatz aus. Dass sein Thema direkt ins Ohr geht, hilft bei der Orientierung auf der Langstrecke ebenso, wie die Klangpracht motiviert. Der folgende langsame Satz ist breiter Gesang von nobler Textur, Jungrotts Vorliebe für dichten Satz ist stark, doch ein seriöser Sachwalter wie der Dirigent Paavo Järvi lässt die Proportionen schlüssig erscheinen. Der Clou, der bei der Wiederentdeckung der Partitur vor ein paar Jahrzehnten Furore machte, ist das Scherzo, wo walzerfliegender Holländler und Feuerwerksmusik durch die funkensprühende Mahlermangel gedreht scheinen, dazwischen ein Trio aus Bassknarz und Jenseitsbarm, das ist schon spektakulär.

