Aus dem Leben eines Hörers, der CDs am liebsten im Auto einlegt – vor den kritischen Ohren zweier Minderjähriger auf den Rücksitzen.

»Hast du was Schnelles?«, sagt Paul von hinten. »Gleich«, sage ich, »erstmal dieses Stück zu Ende! Gleich kommt die beste Stelle.« »Welche Stelle?« sagt Frido. »Ruhe dahinten! Ah, jetzt….« Der Appassionatotakt mit den Sexten rechts, wo es ist, als drehe Chopin sich um und… »Was Schnelles!«, fordert Paul wieder, während wir unter der A27 durchfahren. Dieser besondere Takt im Nocturne Des-Dur op. 27 No. 2 findet sich in Gerrit Zitterbarts Aufnahme bei 3:45, etwa im Goldenen Schnitt. Die Aufnahme ist absolut autotauglich, darum geht es heute. Zuerst wollte ich mich um Kunst, Moral, Metoo und die Opfer auf allen Seiten kümmern, aber das tun inzwischen sowieso schon alle, und nach sieben Stunden Gewürge gab ich auf, und nun fahren wir also zur Schule.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.