Luisa Neubauer ist längst nicht mehr »nur« auf Demos, in Talkshows und auf Diskussionsveranstaltungen unterwegs, sie ist auch Podcast-Host, hat mittlerweile vier Bücher veröffentlicht, traf Obama und den Papst … Für die Lessingtage des Hamburger Thalia Theaters hat sie außerdem Anfang des Jahres zusammen mit Musikerinnen und Musikern des Ensembe Resonanz die Rede in Es-Dur entwickelt. Ausgangspunkt ist die Cavatina aus Beethovens 13. Streichquartett, die 1977 auf der legendären Golden Record mit der Voyager Sonde ins All geschickt wurde. So wird ein Bogen gespannt von den bahnbrechenden Ideen der Aufklärung hin zum Zustand der Menscheit heute und weiter zur Frage, wie man es schaffen kann, im Angesicht all dessen die Hoffnung nicht zu verlieren.
Zu hören war die Rede in der Folge in jeweils leicht aktualisierter Form beim Berliner Theatertreffen und beim Mannheimer Sommer, jetzt wird mit ihr das Bonner Beethovenfest eröffnet. Über dieses Format spreche ich mit Neubauer, die mir sofort das Du anbietet.
VAN: Welche Idee steckt dahinter, die Klimakrise und auch die Motivation, dagegen vorzugehen, so zu kommunizieren – als Rede mit Streichquartett?
Luisa Neubauer: Es sind keine leichten Zeiten, die Krisen nehmen immer mehr zu und gleichzeitig hat man das Gefühl, Dialog und Austausch verschwinden. Die Populisten sorgen für eine immer härtere Sprache, immer mehr Hass und Hetze, immer mehr Gegeneinander. Dabei brauchen wir bei den vielen Krisen etwas ganz anderes. Da gefühlt alles zu viel Krise ist, habe ich beobachtet, dass es schwieriger wird, über die Klimakrise zu sprechen. Menschen werden enttäuscht, verzweifelt, wütend oder schalten komplett ab. Diese Rede ist ein sehr aktiver Versuch, eine andere Tonlage in die Klimawelt reinzutragen. Es geht um radikale Zuversicht in einer Welt voller Krisen. Es geht um das Schöne, das Hoffnungsvolle und das Schmerzhafte zusammen – das Sanfte, das Nachdenkliche, die Verschmelzung mit klassischer Musik.

