Wolfgang Rihm starb in der Nacht zum 27. Juli im Alter von 72 Jahren. Der Komponist Dieter Ammann hat ihn bis fast ans Ende begleitet, 30 Jahre waren die beiden Künstler befreundet. »Keine Sekunde Leerlauf, alles lebendig und im schönsten Sinne durchwachsen von Kraftlinien, die auch dann kräftig bleiben und ununterbrochen, wenn sie in widersprüchliche Richtungen zielen«, schrieb Rihm einmal über Ammanns Musik, wobei Ammann betont, dass der Satz genauso gut für Rihms eigenes Schaffen gelten könnte. Ich habe mit Ammann über Rihms letzte Tage, seine Art, aus dem und für den Bauch zu schreiben, und wie man Rihms Persönlichkeit in seiner Musik wiederfinden kann, gesprochen.
VAN: Wie geht es dir?
Dieter Ammann: Es geht. Jetzt ist das Loch eigentlich erst richtig spürbar. Als ich noch zwischen Zofingen [wo Ammann lebt]und Karlsruhe hin und her pendelte, war er noch physisch da. Man konnte sich noch austauschen, und wenn es nur mit Lächeln, Händedruck oder einer lustigen Geste war – weil er den Humor nicht verloren hat, solange er noch Momente hatte, wo er bei Bewusstsein war. Jetzt ist es wie ein offenes Ende. Es gibt ein schönes Buch, Offene Enden, über seine Musik. Das Ende ist offen und diese Leere tut richtig weh.

