Wo steht Teodor Currentzis? Diese Frage treibt seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs viele um, Journalisten, Intendanten, Orchestermusiker, Konzertgänger, Currentzis-Fans, nicht zuletzt auch viele, die sich ihm freundschaftlich verbunden fühlen.
Es gibt gute Gründe dafür, Currentzis wegen seiner Aktivitäten in Russland zu kritisieren. Das von ihm 2004 in Nowosibirsk gegründete Ensemble musicAeterna wird seit 2019 von der staatlich kontrollierten VTB Bank, dem zweitgrößten Geldinstitut des Landes, finanziert; dazu kommen weitere Geldgeber wie Gazprom oder die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands, Rosatom, die systemstabilsierend mit dem Regime und dem Krieg in der Ukraine verbandelt sind. Ähnliches gilt für das von Currentzis gegründete Diaghilev-Festival in Perm. Auf organisatorischer Ebene bringt dies eine Nähe zu allerlei Putin-Vasallen mit sich. So sitzen im Vorstand von musicAeterna die Chefin der Russischen Nationalbank, Elwira Nabiullina, VTB-CEO Andrei Kostin sowie Alexander Beglov, Gouverneur von Sankt Petersburg. Diese Nähe wirkt für manche umso verdächtiger, als dass Currentzis der Forderung, sich klar gegen den russischen Überfall zu positionieren, nie nachkam. Wer aus seinen Äußerungen und Programmen Kriegsgegnerschaft heraushörte, musste sie immer heraushören wollen.

