Im Glanz seines damaligen Triumphs in der Carnegie Hall gibt Vladimir Horowitz 1965 eines seiner seltenen Interviews. Das Gespräch ist schon fast zuende, als ihm noch etwas Wichtiges einzufallen scheint: »Ich spiele nicht gerne abends, ich bevorzuge die Nachmittage. Dafür gibt es viele Gründe: Ich habe das Gefühl, dass das Publikum dann entspannter ist«, erklärt er. »Und es ist besser für mich.« Dann beginnt er fast flüsternd, die Namen derer zu nennen, die es genauso hielten: »Rachmaninow, Kreisler«, sagt er. »Hofmann auch, und Myra Hess – alle nachmittags. Immer! Die größten Künstlerinnen und Künstler spielen nachmittags.« Und genauso machte es fortan auch Horowitz. Für den Rest seiner langen Karriere spielte er seine brechend vollen Konzerte nur noch am Wochenende um 16 Uhr. In der entspannten Atmosphäre der Matinee lieferte er einige seiner sensibelsten Interpretationen. Seine Moskauer Matinee aus den 80er Jahren stand mehr als ein Jahr lang an der Spitze der Billboard-Klassik-Charts.
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