Neulich hörte ich im Berliner Boulez-Saal ein Konzert bestehend aus Solo- und Duo-Stücken von Mozart und Schubert, Unsuk Chin, Nadia Boulanger und Brahms mit Nils Mönkemeyer und einem zwischen Hammerklavier und modernem Konzertflügel wechselndem William Youn. Aufgewachsen in Südkorea, mit 13 Jahren Umzug nach Boston, eine auf Musik spezialisierte Schule, dann Studium in Hannover. Mittlerweile lebt Youn in München, ich traf ihn zum Gespräch in Berlin.

Zu deinen Lehrern gehören unter anderem Dmitri Alexandrowitsch Baschkirow, Menahem Pressler und Andreas Staier. Das deckt ja in Repertoire und Klangvorstellungen fast das ganze Feld des Klavierspiels ab: Mit Baschkirov virtuose russische Musik, die klassisch-romantische Tradition mit Pressler und die historische Aufführungspraxis mit Staier. Wie hast Du diese stilistisch extrem verschiedenen Einflüsse erlebt?

Es war natürlich spannend, mit Baschkirov an Rachmaninows 3. Klavierkonzert zu arbeiten. Aber er entspricht gar nicht dem Klischee der russischen Schule und ist eigentlich ein Klassizist. Als ich ihm eine Skrjabin-Sonate vorspielte, sagte er: Wo ist denn das Metrum? Du musst das im Tempo spielen. Pressler ist ein Ästhet, der mich ermutigt hat, die schönen Stellen noch schöner zu spielen. Bei Staier lernt man, dass man alles ganz anders machen kann, als man es gewöhnt ist.


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... studierte Literatur- und Musikwissenschaften und arbeitet als freier Dramaturg und Journalist unter anderem für den Tagesspiegel.