In der Konzerthalle Harpa in Reykjavík probt ein Männerchor für sein Jubiläumskonzert zum hundertjährigen Bestehen. Im Backstagebereich steht eine Gruppe von aufrechten knorrigen Männern in feierlichen Anzügen beisammen. Als der Pianist Víkingur Ólafsson auftaucht, öffnet sich die Runde kurz und umschließt ihn in seiner Mitte. Jeder möchte kurz »hallo« sagen, die einen schütteln feierlich die Hand, andere umarmen ihn herzlich. Da schwingt viel Stolz mit auf den berühmten Sohn, der regelmäßig zu Besuch kommt. Der wiederum weiß, wo er herkommt, und dass es sich gehört, dem Respekt zu zollen. Statistisch kennt jeder jeden über 6,6 Ecken, in Island schrumpft die Bekanntschaftskette auf eine Dezimalstelle, bei Víkingur wird aus der Ecke fast eine gerade Linie.
Er hat im Moment viel um die Ohren. Gerade wurde verkündet, dass die Deutsche Grammophon ihn als Exklusivkünstler gesigned hat. Im Februar wird er ein Klavierkonzert von Haukur Tómasson in der neu eröffneten Elbphilharmonie uraufführen, das er später im April auch in Los Angeles spielen wird. Beide Spielorte setzen auf Festivals mit isländischer Musik. Wir haben Víkingur vorab gebeten, eine Playlist mit Musik aus seiner Heimat zusammenzustellen. Hier ist seine Einführung:»Die Aufgabe eine Playlist zu Island zu kreieren, ist etwas überwältigend: es wäre einfach, eine Liste zusammenzustellen, die stundenlang weiter geht. Ich wollte aber etwas schaffen, das man tatsächlich in einem Stück durchhören kann. Hier sind einige meiner Lieblingsstücke vom 64. Nördlichen Breitengrad.«
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