Kaum ein Festival, bei dem die Handschrift des künstlerischen Leiters so deutlich zu lesen ist wie bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Wo sich manch andere Festspiele in Beliebigkeit verlieren (Star-Namedropping, Gassenhauer, One-size-fits-all-Motto, ›Menschen Leben Tanzen Welt‹), war das Programm in Ludwigsburg unter Thomas Wördehoff geprägt von handwerklicher Genauigkeit, gedanklicher Frische und subversivem Humor. Wer ihn kennenlernt, merkt schnell: Auf dem intellektuellen Reißbrett ist da nichts entstanden. Wördehoff ist außerdem das Gegenteil des faltenlosen Kulturbürokraten, der möglichst wenig Reibungsfläche bietet, um für alle Geschmäcker leicht verdaulich zu sein. Auch in der Intendanten-Rolle scheint seine Rezeptionshaltung in erster Linie die eines Musikfans geblieben zu sein. Ein Freigeist, mit einem Hang zur Provokation, wenn er irgendwo hohler Attitüde begegnet, und einem missionarischen Eifer, die eigene musikalische Neugierde mit Verve gegen das Dogma des letztgültigen Meisterwerks und hochkulturellen Genre-Rankings zu stellen. Seine eklektischen Programme haben gerade zu Beginn seiner Intendanz einige verstört. Das Publikum blieb teilweise weg, Konzerte halbleer, Verluste wurden eingefahren. Wördehoff selbst sollte bereits drei Jahre nach Amtsantritt geschasst und mit dem Intendantenduo Daniel Hope und Thomas Hengelbrock ersetzt werden. Am Ende blieb er, und das hat den Festspielen gutgetan. Auch Finanzierung und Auslastung haben sich konsolidiert. Am 20. Juli findet in Ludwigsburg das Abschlusskonzert von Wördehoffs letzter Spielzeit als Intendant statt. Ab 2020 übernimmt sein Nachfolger Jochen Sandig. Anlass genug für ein Kneipengespräch. Wir treffen uns im italienischen Restaurant Mine/Wine in Berlin-Charlottenburg. Wördehoff, 66 Jahre alt, schaut mal neugierig, mal selbstironisch, mal verärgert auf die Branche, in der er sich schon so lange bewegt, und merklich nie ganz zu Hause gefühlt hat. Vielleicht ist diese Distanz nicht die schlechteste Eigenschaft eines Festivalintendanten. »Wir sind bei allem, was wir gemacht haben, nie so ganz bierernst rangegangen«, sagt er.
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