»Mal ein Beethoven hier, mal ein Programm da, das interessiert mich nicht«, sagte der Pianist Igor Levit vor fünf Jahren. Stattdessen wolle er Meinungsführer werden. So wie Dylan. Leute wie der hätten in den 60er Jahren den Anspruch gehabt, nach ganz oben zu kommen. »Seine eigene Stimme so stark werden zu lassen, dass sie Deutungshoheit erlangt.« Das war kurz vor Fake News, Alternativen Fakten und dem Zeitalter der Politik-Clowns. Es klang damals, in einem kleinen Café in der Nähe der Hannoveraner Musikhochschule, nach dem sympathischen Schnabelaufreißen eines außergewöhnlich talentierten Musikers, der die Sphäre der Politik als Möglichkeit der Individuation entdeckt hatte. Levit war es zu eng geworden in der Rolle, in die er hineingewachsen war, und der Anerkennung, die sie bereithielt. Seine PR-Agentur bot damals Interviews an mit dem Zusatz: »Igor Levit hat zu vielen Dingen eine Meinung, nicht nur zu Musik.«
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
