Ausgerechnet im Wiener Musikverein fragen sie jetzt: »Wie wollen wir zusammenleben?« Meinen sie es ernst? Schwierige Frage, deshalb einmal keine Kolumne, sondern ausnahmsweise ein Gespräch. Stephan Pauly war Assistent der Intendantenlegende August Everding in München, seit 2004 Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Salzburger Mozarteums, ab 2012 Chef der Alten Oper Frankfurt, ein erfahrener Manager der Musik. Seit 2020 und nach Verlängerung bis 2030 ist er Intendant des von der »Gesellschaft der Musikfreunde« getragenen Musikvereins in Wien. Geboren wurde er 1972 in Köln. Die rheinische Mentalität scheint sich mit der Wienerischen gut zu vertragen. Ich besuche ihn am Schreibtisch seines mit schallgedämmten Doppeltüren gut entkoppelten Büros; hier kann man wirklich Dinge besprechen, auch vertrauliche. Es gibt Verlängerten und freundliche Aufmerksamkeit.
VAN: Sie sind der Chef eines der berühmtesten Konzerthäuser der Welt, mit der legendären Herzkammer ›Goldener Saal‹ mittendrin, in dem jedes Neujahr mit Walzern begrüßt wird, weltweit übertragen. Von hier aus gesehen: Wie schauen Sie in die Zukunft? Mit welchen Gefühlen gucken Sie nach vorn?
Stephan Pauly: Meinen Sie meine persönliche Seelenlage? Oder meinen Sie meine Einschätzung für den Betrieb dieses Hauses in den nächsten Jahren? Oder meine Einschätzung für die Klassikbranche?

