»Ich habe kein Handy, wie unglaublich das auch scheinen mag«, schreibt Sigiswald Kuijken mir, als ich das Interview anfrage. Seine Mail-Adresse teilt er mit seiner Frau Marleen Kuijken-Thiers, die als Bratschistin in dem von Kuijken 1972 gegründeten Ensemble La Petite Bande und dem Kuijken Quartett spielt. Kuijken spricht meist leidenschaftlich und ernst, am Ende einer längeren Antwort wartet er jedoch oft kurz, um dann leicht nervös zu lachen, was sehr entwaffnend wirkt.
VAN: Sie haben kein Handy und blicken eher kritisch auf Social Media. Wirkt die Gegenwart anders, wenn man sich viel mit der Vergangenheit beschäftigt?
Sigiswald Kuijken: Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt. Ich habe nichts gegen die Gegenwart, ich bin auch kein Nostalgiker. Ich finde nur: heute ist man immer so hektisch. Ich möchte nicht immer erreichbar sein. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich Alte Musik spiele (lacht).

