Man kann es kaum sympathisch finden, aber die Musik ist leider (häufig) ziemlich gut: Im 19. Jahrhundert schoben sich diverse »Nationalbewusstseins« hinein in die literarischen, märchenhaften, heroischen Hintergründe symphonischer Werke, entsprechend motiviert von Auftraggeberinnen und Auftraggebern, Politikerinnen und Politikern – oder halt von einer fanatischen (bei »heimatlichen« Klängen schier ausrastenden) Öffentlichkeit. Bedřich Smetana (1824–1884) nannte seinen bekanntesten Orchesterzyklus Má vlast (Meine Heimat) – und der immerwährende »Hit« aus diesem Zyklus, die unvermeidliche Die Moldau, zu der viele früher im Waldorfkindergarten unter Zwang sinnlose Flüsse malen mussten, verfolgt uns bis hinein in Kaufhäuser und (noch schlimmer) Wunschkonzerte. Jean Sibelius verfolgt uns nicht. (Höchstens als – gewiss unfreiwilliger – Namensgeber des mit bekanntesten Notensatzprogramms unserer Zeit.) Und dafür loben wir ihn heute.
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
