Salvatore Sciarrinos Sei Capricci für Geige solo zu hören, gleicht in etwa der Erfahrung, 20 Minuten in einem Garten voller Schmetterlinge umherzulaufen. Es flattert, raschelt, etwas blitzt kurz irgendwo auf und fliegt davon. Seine Oper Luci mie traditrici (1998) ist von einer vergleichbaren, traumähnlichen Qualität. Wenn dort in einem kurzen Intermezzo fünf Minuten lang ein gleichmäßiger Puls ertönt, fühlt sich das an, als hätte sich eine gigantische tektonische Platte verschoben, so empfindlich sind die Ohren im Verlauf der einstündigen Oper geworden. Sciarrinos neue Oper, Ti vedo, ti sento, mi perdo, wurde gerade an der Mailänder Scala uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung findet am 7. Juli in der Staatsoper Unter den Linden in einer Inszenierung Jürgen Flimms statt, dirigiert von Maxime Pascal.
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