So still und heimlich, wie François-Xavier Roth vor einem Jahr von den Spielplänen verschwand, kehrt er jetzt dorthin zurück. Am Wochenende dirigiert er die Berliner Philharmoniker beim Musikfest, nächste Woche folgt dann die Saisoneröffnung beim SWR Symphonieorchester. Es sind Roths erste Konzerte nach Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe im Mai 2024, die ihn bei vielen Orchestern quasi über Nacht zur Persona non grata gemacht hatten. Im französischen Satiremagazin ›Le Canard enchaîné‹ warfen damals sieben Musiker:innen Roth Belästigung in Form von sexualisierten Nachrichten vor, unter anderem das Versenden sogenannter »Penisbilder«. Der Dirigent räumte daraufhin ein, »in der Vergangenheit unangemessene Textnachrichten an Musiker:innen gesendet zu haben« und kündigte an, bis auf Weiteres nicht mehr dirigieren zu wollen, um »in aller Ruhe die Durchführung der Untersuchungen [meines Verhaltens] zu ermöglichen«. Zugleich entschuldigte er sich »bei allen, die ich verletzt haben könnte.« Ob die Betroffenen seine Entschuldigung annahmen, ist nicht bekannt.
Beim SWR Symphonieorchester ist Roth mit Beginn dieser Spielzeit neuer Chefdirigent – normalerweise ein Ereignis, das mit großem Tamtam gefeiert wird. Davon ist bisher nichts zu sehen, im Gegenteil. Es scheint eher so, als wolle man »den Neuen« lieber verstecken. Auf den Social-Media-Seiten von SWR und Orchester finden sich bis heute keine Features oder Interviews zur Saisoneröffnung. Stattdessen hat der Sender ein »Gespräch« zwischen Roth und SWR-Orchestermanagerin Sabrina Haane online gestellt. Statt über den Elefanten im Raum redet man dort über »das ideale Orchester«, Dialog als Basis gemeinsamen Musizierens und Roths »legendäre Fähigkeiten als Hobbykoch«. »Lieber François …« War da was? (Mit VAN möchte Roth lieber nicht sprechen – eine entsprechende Anfrage vom Mai 2025 lehnte er ab.)

