Vor 50 Jahren dirigierte Romely Pfund in Sankt Petersburg ihr erstes öffentliches Orchesterkonzert, mit Brahms’ Zweiter, Dvořáks Violinkonzert und einem Stück von Manfred Weiss – »in Leningrad, so hieß das ja damals«, erzählt sie. »Dort stand ein junger Mann, hoch aufgeschossen, hinten bei den Bläsern und half ihnen beim Einstimmen. Das war Valery Gergiev.«
Damals steckte sie noch mitten im Studium an der Dresdner Musikhochschule, es folgten Engagements als Kapellmeisterin am Theater der Altmark in Stendal (ab 1979) und bei der Anhaltischen Philharmonie Dessau (ab 1983). 1986 reiste sie nach Tanglewood, wo sie unter anderem mit Seiji Ozawa, Leonard Bernstein und Gennadi Roschdestwenski arbeitete. 1987 wurde sie mit 32 Jahren Generalmusikdirektorin der Neubrandenburger Philharmonie – und damit zur ersten Chefdirigentin eines deutschen Profiorchesters. 1998 zog sie weiter zu den Bergischen Symphonikern, dann ging es 2009 als Operndirektorin zum Landestheater Mecklenburg in Neustrelitz (bis 2013). Seitdem ist sie als Dirigentin freischaffend tätig (mit einem Zwischenstopp als Musikalische Leiterin bei den Eutiner Festspielen, als Studienleiterin und Kapellmeisterin am Theater Lübeck und als Lehrende der dortigen Musikhochschule). Als Gastdirigentin stand Pfund unter anderem am Pult des Gewandhausorchesters oder der Dresdner Philharmonie und gastierte an der Komischen Oper Berlin und der Deutschen Oper am Rhein.
Ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte Pfund jüngst mit einem Festkonzert am Theater Lübeck, mit dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt und einem Programm mit Haydn, Brahms und Bernstein. Ich erreiche sie kurz nach den Feierlichkeiten zu Hause in Lübeck.
VAN: Die Idee, dass Sie Dirigentin werden könnten, stammt von Ihrem Vater, haben Sie mal erzählt. Wie hat sich das zugetragen?
Romely Pfund: Im Abitur hatte ich verschiedene Interessen. Musik war denkbar, aber auch Naturwissenschaft, Zeichnen. Mein Vater war Musiker und er hat meine Mutter sehr bewundert und sie immer unterstützt. Und mich genauso. Er hat mir ein paar wichtige Dinge mitgegeben, zum Beispiel, dass man im Leben immer nach oben gucken soll, und mir verschiedene Sachen vorgeschlagen, die ich werden könnte, eben auch Dirigentin. Das wurde dann mein Beruf – ein unglaublich spannender Beruf, ich habe es nie bereut.

