Bald 6.000 Einträge zählt das Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM) inzwischen – zu Personen, die zwischen 1933 und 1945 vom Nazi-Regime verfolgt wurden und unterschiedliche Schicksale erlebten, von der geglückten Flucht bis zur Ermordung im KZ. Im LexM fand ich ebenso verlässliche wie weiterführende Informationen zu zahlreichen Protagonistinnen meines Buches zur Geschichte des Musikerberufs in Deutschland wie etwa zum Primarius des Budapest Quartet Emil Hauser und zum geschassten Fagottisten der Wiener Philharmoniker, Hugo Burghauser, die beide in die USA flohen und dort zunächst mit widrigen Bedingungen kämpfen mussten, oder auch zur Geigerin Alma Rosé, KZ-Insassin in Auschwitz und bis zu ihrem Tod im April 1944 Leiterin des Lager-Frauenorchesters.

Das Lexikon, das auf eine jahrzehntelange Tradition der musik- und literaturbezogenen Exilforschung an der Universität Hamburg aufbaute, hat sich 2005 bewusst für eine breite Definition von Musiker:innen entschieden: Als Aufnahmekriterium gilt in erster Linie die Professionalität. Abgesehen davon machten die Gründungsherausgeber:innen Claudia Maurer-Zenck und Peter Petersen keine weiteren Vorgaben: Stars und Sternchen waren ebenso willkommen wie die zweite Geige vom letzten Pult, Komponistinnen und Musikjournalisten wurden genauso aufgenommen wie Musikwissenschaftlerinnen und Sänger. Auch das Genre spielt keine Rolle, ›E‹- und ›U‹-Musiker fanden beide Eingang. Die Herausgebenden wiesen damit nicht nur dem »Verfolgt-Sein« der Akteure eine höhere Relevanz zu als ästhetischen oder professionellen Subkategorisierungen. Mit der primär am geschichtlichen Ereignis orientierten Herangehensweise machten sie das Lexikon auch vielfältiger und damit interdisziplinär nutzbar.


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… ist Historiker und Privatdozent an der Universität Konstanz. Er forscht, lehrt und schreibt zur deutschen, europäischen und afrikanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.