Zur Feier des einhundertsten Geburtstags von Iannis Xenakis widmet ihm die Pariser Philharmonie die Retrospektive Révolutions Xenakis. Sie ist das Ergebnis einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen der bildenden Künstlerin Mâkhi Xenakis, die das Archiv ihres Vaters aufarbeitet, und dem Musikwissenschaftler Thierry Maniguet, dem wissenschaftlichen Leiter der Sammlung des Musikmuseums der Philharmonie. Die beiden haben eine Ausstellung kuratiert, die ein vollständiges Eintauchen in Xenakis‘ Werk erlaubt, ohne die biographischen, politischen, utopischen, humanen und technologisch-mathematischen Dimensionen der multidisziplinären Projekte Xenakis‘ zu vernachlässigen. »Er war Ingenieur, Architekt, Komponist, Mathematiker, Informatiker und Computerfreak«, so Mâkhi Xenakis. »Wir wollten zeigen, dass er nie erst das eine und dann das andere oder das eine ohne das andere war.« Herausgekommen ist eine Hommage, die eine unwiderstehliche Energie versprüht. Sie dürfte nicht nur höfliche Ehrerbietung distinguierter Avantgardeapologeten erfahren, sondern auch ein breites Publikum faszinieren.

Die Eingangstür passierend, erhebt sich eine bis an die Decke reichende Skulptur aus schlanken, weißen Stelen vor dem ganz in Schwarz getauchten Ausstellungssaal, die an eine der typischen Konstruktionszeichnungen Xenakis‘ denken lässt. Während man noch überlegt, ob man diese dekorative Transformation mag, ergreifen einen sich überall im Raum bewegende Klänge. Rhythmische Blitzlichtwellen von der Decke intensivieren die aufgewühlte Energie.


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Dr. Maike Aden ist Kunst- und Musikwissenschaftlerin. Sie lebt in Paris und arbeitet im akademischen Feld sowie in Ausstellungs- und Archivinstitutionen.