Es ist Passionszeit. Unter den zahllosen Aufführungen der Bach’schen Johannespassion landauf landab gab und gibt es in dieser Saison auch zwei ganz besondere Formate: Eine großartig inszenierte und eine mit nur drei Mitwirkenden. Reinhard Mawick gefallen beide sehr, aber er kommt zum Schluss: Weniger ist mehr.

»Wir brauchen keine Imagepflege, sondern Irritationen«, schrieb Volker Hagedorn vor ziemlich genau einem Jahr an dieser Stelle. Und ja, es irritiert schon, wenn der Eingangschor der Johannespassion von Johann Sebastian Bach anhebt, aber kein Sänger in Sicht ist. Im Radialsystem zu Berlin stand das Werk »Johannespassion für Tenor allein, Cembalo, Orgel und Schlagwerk« auf dem Programm. Doch dann gehen auf der Bühne nur Elina Albach an den Tasten und Philipp Lamprecht an den aufgereihten Schlagwerken der Xylophonfamilie berserkergleich zu Werke, um den magisch-rauen Beginn des Eingangschors von Bachs erster Passion vor Ohren und Augen der atemlosen Zuhörerschaft zu zaubern. Toll! Aber bitte, die berühmten »Herr, Herr, Herr«-Rufe rückten näher, die Sekunden verrinnen, was soll bloß werden? Irritierend, sehr irritierend!


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... geboren 1966, ist evangelischer Theologe und Journalist. Seit 2014 ist er Chefredakteur des Monatsmagazins zeitzeichen – Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft in Berlin. www.zeitzeichen.net