Im vierten Akt von Jean-Philippe Rameaus Oper Hippolyte et Aricie (1. Fassung 1733) unterbricht eine Ode auf die Jagd den Lauf der Tragödie. Diese Musik, ein Rondeau in D-Dur, bringt die Handlung nicht voran und ist doch essentiell. Geigen und tiefe Barock-Oboe führen mit einem teils majestätischen, teils hektischen Motiv, die anderen Bläser füllen die Zwischenräume mit eleganten Arpeggien. Eine Jägerin singt eine einfache Melodie, einen leicht verzierten D-Dur-Akkord, und ruft ihre Gefährten zu den Waffen. Wir befinden uns im Reich der Diana, und obwohl klar ist, dass das Töten eines Tieres ein blutiger und gewaltsamer Akt ist, gibt uns Rameaus Musik das Gefühl, dass es auch etwas Heiliges, ja sogar Keusches an sich hat.


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.