Für vieles musste das Orchester schon herhalten: Mal war es die Verkörperung eines Hochleistungsteams, mal das Idealbild einer pluralistischen Gesellschaft oder die Organisation der Zukunft, geprägt von kreativem Teamwork und Zuhören. Jenseits dieser Idealisierungen (und Projektionen) gibt es allerdings wenig Literatur darüber, wie das soziale System Orchester tatsächlich funktioniert, was es im Inneren zusammenhält oder auseinanderzieht, wie es sich verändert. Das liegt auch daran, dass Orchester sich ungern von außen in die Karten schauen lassen: Während Unternehmen, Verwaltung oder Vereine sich, mal mehr mal weniger freiwillig, neuen Organisationsmodellen geöffnet, und dabei auch externe Expertise zurate gezogen haben, wirken viele Orchester von außen wie eine Art Black Box. »Wenn eine Maschine reibungslos läuft, wenn eine Tatsache feststeht«, schreibt Bruno Latour in Die Hoffnung der Pandora, »braucht nur noch auf Input und Output geachtet zu werden, nicht mehr auf ihre interne Komplexität. Daher das Paradox: Je erfolgreicher Wissenschaft und Technik sind, desto undurchsichtiger und dunkler werden sie.« Wie reibungslos die Orchestermaschine tatsächlich läuft, dazu kann Ralf Pegelhoff Auskunft gegeben. Der Klarinettist war Gründungsmitglied der Jungen Deutschen Philharmonie und des Ensemble Modern und ist seit 1983 Mitglied des Niedersächsischen Staatsorchesters am Staatstheater in Hannover, wo er auch Konfliktberater und Ansprechpartner für Mobbingfragen ist. Parallel arbeitet er seit 2006 als freier Coach, Prozessberater und Mediator.
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