In einem großen Orchester finden zahlreiche Probespiele statt. Auch wenn ich als Hornist nicht alle besuchen muss – die für Tutti-Streicherstellen sind beispielsweise für uns Bläser nicht verpflichtend – waren es im Laufe meines bisherigen Musikerlebens trotzdem eine ganze Menge. Je länger ich im Orchester bin, desto weniger kann ich Probespiele leiden.

Es fällt mir zunehmend schwer, mich über Musikerkollegen zu erheben und ein Urteil zu fällen, weil ich weiß, dass die Situation, mit der die Kandidat/innen konfrontiert werden, unmenschlich ist. Und: Sie hat so gar nichts mit dem Musikerberuf an sich zu tun. Ich spreche mit meinen Kollegen darüber, und viele denken ähnlich. Wir fragen uns also: Wieso wird dieses System nicht geändert? Wettbewerb ist zu einem Grundprinzip des Klassikbetriebes geworden. Das ist doch seltsam, denn eigentlich hat Musik mit Wettbewerb rein gar nichts zu tun. Da wir Musiker uns aber mitten im Räderwerk des Klassikbetriebes befinden, können wir seinen Mechanismus nicht umbauen: Wir brauchen die Besten der Besten, und das sind nun mal diejenigen, die in einem Wettbewerb, nennen wir ihn Probespiel, die beste Leistung bringen.


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Ulrich Haider ist stellvertretender Solohornist bei den Münchner Philharmonikern und Vorstand des Vereins Orchester des Wandels e.V. Außerdem macht er Kampfsport und schreibt Kommentare für VAN.