In Gefahr und höchster Not, bringt oft Operette Trost. Als am 14. April 1912 kurz vor Mitternacht die Titanic mit einem Eisberg kollidierte und in den Tiefen des Nordatlantiks verschwand, sollen die Musiker der Bordkapelle den Untergang mit Walzern, Foxtrotts und populären Melodien begleitet haben. Das kurze Glück vor dem nassen Tod: Im Tanzsalon des Luxusdampfers, ihrer Arbeitsstätte, hatte sich eine Luftblase gebildet, ein paar Stunden würde der Sauerstoffvorrat reichen. So machten sie einfach weiter, hielten den leichten Musen noch die Treue, als nachtschwarze Stille den Schiffskörper bereits umfing. Klammerten sich stoisch-verzweifelt an das Vertraute, an beschwingte Metren und wohlige Töne, um das unentrinnbar nahe Ende zu überspielen.
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
