In Gefahr und höchster Not, bringt oft Operette Trost. Als am 14. April 1912 kurz vor Mitternacht die Titanic mit einem Eisberg kollidierte und in den Tiefen des Nordatlantiks verschwand, sollen die Musiker der Bordkapelle den Untergang mit Walzern, Foxtrotts und populären Melodien begleitet haben. Das kurze Glück vor dem nassen Tod: Im Tanzsalon des Luxusdampfers, ihrer Arbeitsstätte, hatte sich eine Luftblase gebildet, ein paar Stunden würde der Sauerstoffvorrat reichen. So machten sie einfach weiter, hielten den leichten Musen noch die Treue, als nachtschwarze Stille den Schiffskörper bereits umfing. Klammerten sich stoisch-verzweifelt an das Vertraute, an beschwingte Metren und wohlige Töne, um das unentrinnbar nahe Ende zu überspielen.


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schreibt seit den frühen 1990ern über Musik und anverwandte Themen. Als Schüler schlug er sich mit Latein und Altgriechisch herum, sonntags saß er auf der Orgelbank. Seine arg limitierten Tastenkünste mutet er heute nur noch sich selber zu. Drei Jahre lebte er in den USA, zwei Jahre in England. An der Freien Universität Berlin und State University of New York at Buffalo studierte er Germanistik, Anglistik, Amerikanistik und Philosophie. Von 1993 bis 2004 war er der für Musik, Medien und Kunst...