Eine Diva war sie nicht. Jedenfalls keine im Sinne jenes Typus der fragilen Göttin, die, aus grautrüben Verhältnissen zu den Sternen aufgestiegen, lichterloh brennt und stets in Gefahr steht, plötzlich zu verglühen. Allüren, Extravaganzen, die Kultivierung einer Aura des Unbotmäßigen, Unberechenbaren, Unergründlichen waren ihr fremd. Sie ist durch Krisen gegangen, hat Rückschläge erlebt, doch nie einen Absturz wie Maria Callas, die am Ende tragisch verstummte Vorkämpferin für die Rehabilitierung der Belcanto-Oper.
Letzte Primadonna assoluta – das trifft schon eher den Kern dessen, was die künstlerische Persona Edita Gruberovás ausmachte. Das Höchste, Begehrteste, Beste der (italienischen) Barockoper schwingt da mit, die historische Basis virtuosen Koloraturgesangs wie er uns Ende des 18. Jahrhunderts bei Mozarts Königin der Nacht, Anfang des 19. bei den Wahnsinnsfrauen eines Bellini oder Donizetti, zu Beginn des 20. bei Strauss’ Zerbinetta begegnet. Und zugleich ein vokalästhetisches Erbe, das durch die Callas, Joan Sutherland und Montserrat Caballé ein für allemal vermessen und ausgereizt schien.

