Eine Diva war sie nicht. Jedenfalls keine im Sinne jenes Typus der fragilen Göttin, die, aus grautrüben Verhältnissen zu den Sternen aufgestiegen, lichterloh brennt und stets in Gefahr steht, plötzlich zu verglühen. Allüren, Extravaganzen, die Kultivierung einer Aura des Unbotmäßigen, Unberechenbaren, Unergründlichen waren ihr fremd. Sie ist durch Krisen gegangen, hat Rückschläge erlebt, doch nie einen Absturz wie Maria Callas, die am Ende tragisch verstummte Vorkämpferin für die Rehabilitierung der Belcanto-Oper.

Letzte Primadonna assoluta – das trifft schon eher den Kern dessen, was die künstlerische Persona Edita Gruberovás ausmachte. Das Höchste, Begehrteste, Beste der (italienischen) Barockoper schwingt da mit, die historische Basis virtuosen Koloraturgesangs wie er uns Ende des 18. Jahrhunderts bei Mozarts Königin der Nacht, Anfang des 19. bei den Wahnsinnsfrauen eines Bellini oder Donizetti, zu Beginn des 20. bei Strauss’ Zerbinetta begegnet. Und zugleich ein vokalästhetisches Erbe, das durch die Callas, Joan Sutherland und Montserrat Caballé ein für allemal vermessen und ausgereizt schien.


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schreibt seit den frühen 1990ern über Musik und anverwandte Themen. Als Schüler schlug er sich mit Latein und Altgriechisch herum, sonntags saß er auf der Orgelbank. Seine arg limitierten Tastenkünste mutet er heute nur noch sich selber zu. Drei Jahre lebte er in den USA, zwei Jahre in England. An der Freien Universität Berlin und State University of New York at Buffalo studierte er Germanistik, Anglistik, Amerikanistik und Philosophie. Von 1993 bis 2004 war er der für Musik, Medien und Kunst...