Nabil Arbaain ist im März 2014 aus Damaskus geflohen. Der syrische Musiker lebt heute in Berlin. Im Interview schaut er zurück und nach vorne.

Text · Titelbild Nabil Arbaain · Datum 11.1.2017

Im Februar 2011 werden 15 Kinder im südsyrischen Darʿā festgenommen und beschuldigt, regimekritische Parolen an das Schulgebäude gemalt zu haben. »Nieder mit dem Präsidenten« und »Du bist dran, Doktor« – in Anspielung auf den studierten Augenarzt Baschar al-Assad. Die Kinder werden im Gefängnis geschlagen und gefoltert, worauf sich auf den Straßen der Stadt ein Protest formiert gegen polizeiliche Willkür. Dessen gewaltsame Niederschlagung durch die syrische Armee gilt als Ausgangspunkt für den Bürgerkrieg in Syrien. Wie lässt sich fassen, was dort seitdem passiert? Die Entzündung von Gräben entlang ethnischer und religiöser Identitäten, das diffuse Gemisch unterschiedlicher Gewaltakteure, der Terror gegen die Zivilbevölkerung, der Kampf um Rohstoffe, die Profiteure der Kriegswirtschaft, eine zunehmend schwerer fallende Unterscheidbarkeit zwischen Täter und Opfer, Kämpfer und Zivilist, der Informationskrieg mit der Macht der Bilder, die Zerstörung des Weltkulturerbes, ob in Palmyra oder der Altstadt Aleppos, der Zusammenbruch der Diplomatie, ob ohnmächtig verfolgt oder bewusst in Kauf genommen, der geopolitische Stellvertreterkrieg, aus dem sich gerade eine neue Ordnung im Nahen und Mittleren Osten herausschält. Mit Blick auf den Ersten Golfkrieg, die Balkan-Kriege und die Kriege in Somalia und Rwanda haben Wissenschaftler wie Mary Kaldor Ende der 1990er den Begriff »Neue Kriege« geprägt: Eine entgrenzte Form hybrider Konflikte, die den klassischen zwischenstaatlichen Krieg ablöste, befeuert von der Auflösung des Ost-West Konflikts, von Globalisierung und der fortschreitenden Digitalisierung. Nicht neu ist das Leiden, das der Krieg verursacht. Über 400.000 Tote hat der Krieg in Syrien bisher gefordert, gestorben in Giftgaseinsätzen und Flächenbombardierungen, durch Fassbomben, Aushungern, Massaker, Krankheiten. Man muss kein Prophet sein, um zu befürchten, dass diese Zahl weiter steigen wird. Über 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht, von den 4,8 Millionen Syrern, die nach Angaben des UNHCR aus ihrem Land geflohen sind, kamen einige Hunderttausend nach Deutschland. Sie sind Opfer, gleichzeitig aber auch Menschen, die ihr Leben gestalten wollen, als Neuankömmlinge an der Gesellschaft teilhaben, sich einbringen wollen. Menschen, die dieses Land verändern werden. So wie der 35-jährige Musiker Nabil Arbaain aus Damaskus, der im Mai 2015 nach Deutschland kam. Wir treffen uns in der Berliner Universität der Künste am Rande des Artist Training: Refugee Class for Professionals, einem Qualifizierungsangebot für geflüchtete Künstlerinnen und Kreativschaffende, das vom Career College der UdK angeboten wird.

Foto Pierre-Jérôme Adjedj
Foto Pierre-Jérôme Adjedj

VAN: Du spielst die Oud, wie bist du zu dem Instrument gekommen?

Nabil Arbaain: Ich habe als Kind zunächst mit Klavier angefangen. In der Musikschule sagte man mir dann aber, dass ich Klavier nicht weitermachen könne, sondern stattdessen Oud spielen müsste.

Wieso das?

Klavier zu studieren ist in Syrien der Oberschicht vorbehalten, man muss einflussreiche Leute kennen. Ich habe also stattdessen Privatunterricht genommen bei einigen der besten Oud-Lehrer in Damaskus. Am Konservatorium unterrichteten sie nämlich leider nur westliche klassische Musik, mich hat aber Orientalische Musik mehr interessiert. Da ich auf einer Wirtschaftsschule war, blieb mir im Anschluss wenig anderes übrig, als Wirtschaft zu studieren. Nach zwei Jahren habe ich das hingeschmissen und beschlossen, nur noch das zu machen, was ich gerne wollte. Allein als Musiker und Komponist zu überleben, war schwierig, weshalb ich nebenbei eine Musikproduktionsfirma gegründet habe und ein kleines Musikgeschäft im Zentrum von Damaskus öffnete.

Als die Proteste 2011 starteten, wie hast du sie zunächst wahrgenommen?

Wir haben natürlich mitbekommen, was um uns herum passierte, und hatten bei uns auch viele Probleme. Aber es war sehr gefährlich, darüber zu sprechen. Viele einflussreiche, renommierte Leute haben es getan und sind verschwunden oder mussten das Land verlassen. Als die Proteste in Tunesien und Ägypten anfangs erfolgreich waren, wuchs bei uns das Gefühl, vielleicht eine Chance auf Reformen zu haben. Es ging ja zunächst gar nicht darum, die Regierung zu stürzen. Erst als Blut zu fließen begann, ging es um mehr, weil wir niemals jemanden akzeptieren konnten, der sein eigenes Volk tötet, nur um an der Macht zu bleiben. Je mehr Verbrechen Baschar al-Assad ausübte, desto radikaler wurden die Forderungen der Leute.

Warst du am Anfang zuversichtlich, dass die Proteste Erfolg haben würden?

Ja, sehr, wie viele andere. Ich glaube niemand hat daran gedacht, dass es da enden könnte, wo wir heute sind. Einige Soldaten schrieben anfangs an die Mauern, ›gebt auf oder wir brennen das ganze Land nieder‹. Wir hielten das für einen Scherz, wir konnten uns nicht vorstellen, dass die syrische Armee anfängt, auf Syrer zu schießen, das waren doch auch Leute aus dem Volk.

Nabil Arbaain spielt im Kreuzberger Café Kotti sein Lied »The Friday market« (سوق الجمعة), eine Hommage an seine Kindheit in den Straßen von Damaskus. 

Kannst du dich an einen der Momente erinnern, aus denen sich anfangs dein Optimismus nährte?

Als wir auf den Straßen von Damaskus Tausende sahen, die laut nach mehr Freiheit riefen, als uns Freunde aus anderen Städten erzählten, dass dort ähnliches passierte, auch wenn das im Fernsehen bestritten und als Gerüchte oder Fake bezeichnet wurde, da dachten wir, dass es keinen Weg zurück gibt, dass dies Erfolg haben muss.

Gab es einen Wendepunkt, an dem sich dieser Optimismus umgekehrt hat?

Als das Blutvergießen begann, sich in Reaktion darauf die Revolution bewaffnete, was ich nicht für richtig hielt, und zunehmend Gruppen von außerhalb kamen, ob für oder gegen Assad. Wenn ausländische Kräfte ins Land kommen, hat das nie einen positiven Effekt. Ich erinnere mich, als ich aus dem Haus kam und dort, mitten im Zentrum der Hauptstadt, plötzlich Soldaten mit Waffen im Anschlag auf der Straße sah. Ich ging aber davon aus, dass die Welt das Morden niemals akzeptieren und eine solche Eskalation des Krieges nicht zulassen würde, allein schon wegen der geographischen Lage Syriens und den Auswirkungen auf die Region und darüber hinaus. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem einige denken, Assad sei das geringere Übel, auch wenn die Mehrheit der Syrer nicht überzeugt war von der Regierung, selbst solche nicht, die sie jetzt unterstützen. Sein Spiel ist aufgegangen. Er hat statt der hässlichen, radikalen Gruppen die Reformkräfte bekämpft, so dass Syrien und die Welt jetzt zwei Optionen haben: die islamistischen Extremisten oder Baschar al-Assad.

Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste und die anschließende Eskalation in einen Bürgerkrieg hat schon 2011 begonnen. Du hast Syrien aber erst im März 2014 verlassen. Wie hast du die zwei Jahre dazwischen dort erlebt und überlebt? Hast du bis zum Schluss gearbeitet?

Nein, meinen Laden habe ich schon Anfang 2012 geschlossen. Er lag im Touristenviertel von Damaskus, und Touristen gab es keine mehr. Außerdem haben die Leute andere Prioritäten, als Musik zu hören, wenn es keinen Strom, kein Gas, keine Arbeit gibt. Es wurde für mich persönlich auch immer gefährlicher. Ich habe mit meiner Meinung nie hinterm Berg gehalten und hatte auch einige Songs gegen das Regime geschrieben. Es gab dann Leute, die sich beschwerten und Berichte über mich verfassten. Freunde warnten mich, dass die Geheimpolizei sich nach mir erkundigt habe. Es war klar, dass ich, wenn ich dort bliebe, früher oder später verhaftet würde. Also habe ich mir einen großen Wagen besorgt, alles hineingepackt und von heute auf morgen den Laden zugemacht. Ich habe dann bei meinen Eltern gewohnt, in einem Brillenladen gearbeitet, mich so durchgeschlagen. Es gab keine Arbeit –  ich weiß nicht, wie ich ohne meine Ersparnisse überlebt hätte.

Foto Pierre-Jérôme Adjedj
Foto Pierre-Jérôme Adjedj

Wann hast du dich entschlossen, Syrien zu verlassen?

Den Entschluss hatte ich schon ein Jahr zuvor, Anfang 2013 gefasst. Die Situation wurde für mich brenzliger, als mein Name auf einer Schwarzen Liste auftauchte mit all den Personen, die die Geheimpolizei verhaften wollte. Jemand hatte die Liste an den Sender Al Jazeera verkauft, der sie veröffentlichte. Ein Freund, der außerhalb Syriens war, rief mich an und meinte ›Dein Name ist auf dieser Liste.‹ Auch mein ›Vergehen‹ war aufgeführt: Ich hatte öffentlich gesagt, dass die syrische Regierung Syrer ermordete. Aber ich hatte damals nicht genügend Geld, um rauszukommen. Außerdem wollte ich meine Freundin nicht zurücklassen, mit der ich schon sechs Jahre zusammen war. Wir haben dann sechs Monate sehr hart gearbeitet, um etwas anzusparen, um irgendwie rauszukommen. In der Zeit haben wir auch geheiratet. Als meine Frau ein Stipendium aus Portugal bekam, bin ich dann mit ihr im März 2014 in den Libanon und nicht wieder zurück.

Du hast also ein Jahr in dem Wissen gelebt, auf dieser Liste zu stehen?

Ja, es war ziemlich gefährlich, weil es in Damaskus an jeder Ecke Checkpoints gibt. Wenn du zu Fuß gehst, ist das Risiko, dass sie dich kontrollieren, geringer als im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die dreieinhalb Kilometer zu meiner Arbeit bin ich also entweder gelaufen oder im Bus vor jeder Kontrollstelle ausgestiegen, ein Stück gelaufen, und wieder in den nächsten Bus gestiegen.

Deine Frau hatte ein Stipendium für ein Master-Studium in Portugal bekommen, du selbst musstest im Libanon bleiben, weil du kein Visum bekommen hast.

Ja, ich habe es auf legalem Weg versucht, erst sieben Monate in Beirut, dann sieben Monate in Istanbul. In der portugiesischen Botschaft haben sie mir versprochen, zu helfen, aber passiert ist nichts, obwohl ich Einladungsschreiben von einem spanischen Freund und meiner Frau hatte. Fünf Monate lang lag mein Pass in der portugiesischen Botschaft in Ankara, ohne dass ich eine Antwort bekam. Also bin ich auf illegalem Wege gekommen. Im Mai 2015 bin ich von der Türkei mit dem Boot nach Griechenland.

War es schwierig, ein Boot zu finden?

Es war sehr einfach, es gibt unter Syrern ein großes und gut funktionierendes Netzwerk, alle Informationen sind da. Sobald etwas passiert, sich Gesetze oder Routen ändern, kriegen wir es mit. Alle Szenarien waren mir klar, ich wusste von jedem europäischen Land, wie dort gerade die Situation ist, wie lange das Asylverfahren dauert, welche Angebote es gibt, das Wetter, die Kultur, die Arbeitsmöglichkeiten.

Wieviel hast du für das Boot bezahlt?

1.000 Dollar. Wir waren 37 Personen im Schlauchboot.

Wo bist du in Griechenland angekommen?

Es war eine unbewohnte Insel, ich weiß gar nicht mehr genau, wie die hieß. Wir haben dann 112 angerufen. Nach drei Stunden haben sie uns geholt, ich glaube es waren Soldaten. Die ersten Worte, die ich hörte waren: ›Are you from Syria? Don’t worry, from this moment there is no dying anymore.‹ So etwas von Soldaten zu hören, hat mich überwältigt. Die Griechen sind so freundlich. Sie leiden ja selbst gerade unter einer schwierigen wirtschaftlichen Situation, aber sie wollen helfen, man kann das überall merken, auf der Straße, im Geschäft, trotz der großen Anzahl Geflüchteter.

Foto Stefan Wieland (via Facebook)
Foto Stefan Wieland (via Facebook)

Wusstest du schon, wo du hinwolltest?

Deutschland, Holland oder Schweden. Eigentlich war Holland mein Favorit, weil ich dort Freunde hatte. Der Grund, warum ich mich für Deutschland entschied, war der, dass hier die Hochschulausbildung umsonst ist. Ich dachte an meine Frau, die im Anschluss an ihren Master in Portugal gerne promovieren wollte. Ich hatte in Syrien nicht die Möglichkeit, das zu studieren, was ich wollte, also wollte ich das zumindest für meine Frau und meine Kinder.

Wie bist du von Griechenland nach Deutschland gekommen?

Per Flugzeug mit gefälschten Dokumenten. Ich hatte wahnsinnig viel Glück, dass ich durch die Kontrollen kam. Ich war dann zunächst in einer Unterkunft in Eisenhüttenstadt: Ich spürte dort auch, wie es ist, nicht immer willkommen zu sein. Ich war glücklich, dass ich es geschafft hatte und sehr zuversichtlich, also habe ich auf der Straße die Leute immerzu angelächelt, weil ich dachte, die Leute freuen sich, aber die Menschen haben mir nie in die Augen geguckt. Danach war ich dann in Frankfurt/Oder für zwei Monate, danach in Rathenow. Als ich meine Aufenthaltsgenehmigung bekam, war das erste, was ich tat, in Richtung Berlin aufzubrechen.

Was möchtest du hier tun?

Ich möchte meine Musikproduktion wieder aufnehmen, der Name ist ›The Tent‹ (arabisch al khaimeh). Die Idee ist, damit neu ankommende Musiker und Musikerinnen zu unterstützen. Ich hatte zum Beispiel Glück, mein Instrument zwei Monate später zu erhalten, weil ein Freund es mir aus der Türkei mitgebracht hat, aber viele Musiker kommen ohne Instrument hierher, sprechen kein Englisch, wohnen in kleinen Lagern irgendwo in der Provinz. Ich kann verstehen, warum man die Leute dezentral verteilt: weil sonst alle in die großen Städte gehen. Aber Künstler haben es in der Provinz schwer, man verliert dort eine Menge Energie und Kraft. Meine Idee ist, solche Musiker dabei zu unterstützen, ihren Beruf so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Außerdem möchte ich lokale und neu ankommende Musiker zusammenbringen. Daneben möchte ich Konzerte spielen und unterrichten, am liebsten an einer Musikschule, aber das ist schwierig, weil ich kein Zertifikat habe.

via Facebook
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Gibt es noch eine Kulturszene in Damaskus?

Kaum, fast alle sind gegangen, die, die geblieben sind, schweigen oder unterstützen das Regime.

Berlin ist zu einem kulturellen Zentrum der syrischen Diaspora geworden. Wie glaubst du, wird sich diese weiterentwickeln?

Es gibt hier eine große Chance, sichtbar zu werden, nicht nur für Musikerinnen und Musiker – auch wenn es für die einfacher ist als zum Beispiel für Theaterleute, weil die Sprachbarriere in der Kunst wegfällt. Mit all der Unterstützung, die wir hier bekommen, glaube ich, dass es schon bald großartige Kunstprojekte geben wird, die etwas bewirken werden.

Es gibt viele Kunstprojekte, in denen Geflüchtete Teil der Inszenierung werden. Fühlst du dich dort repräsentiert?

Was ich daran oft nicht mag, ist die Einteilung in Flüchtlinge auf der einen und Einheimische auf der anderen Seite. Ich bin in erster Linie Künstler. Flüchtling ist mein legaler Status, aber der definiert mich ja nicht.

Denkst du, die Unterstützung, die ihr bekommt, fließt in die richtigen Kanäle? Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Ich schätze all die Unterstützung sehr, das ist großartig. Aber es ist immer eine Herausforderung, die richtigen Leute für die richtigen Maßnahmen zu finden. Ich kenne viele deutsche Organisationen, die die richtigen Leute nicht finden und anfangen zu denken, dass wir die Unterstützung nicht wollen. Es braucht in den Organisationen mehr Syrerinnen und Syrer selbst.

Wie gehst du hier mit dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit um?

Solche Gefühlte waren in Syrien noch stärker als hier. Dort hatte ich nicht nur das Gefühl, nichts tun zu können, sondern war insgesamt sehr pessimistisch gestimmt. Du kämpfst gegen zu große Mächte, es gibt keine Partei, keine großen Möglichkeiten, etwas zu bewegen.

Foto Ralph Pache (via Facebook)
Foto Ralph Pache (via Facebook)

Wenn du an dein Land denkst, was gibt dir Hoffnung?

Nur die Menschen, die Kultur, nichts sonst. Es gibt keine Hoffnung in irgendein System. Die politische Situation ist hoffnungslos, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Da bin ich null optimistisch, vielleicht wird die Situation noch schlimmer. Aber Syrien ist wegen seiner geographischen Lage einer der reichsten und vielseitigsten kulturellen Schmelztiegel, eine sehr alte Kultur. Wir waren eines der ersten Länder mit einer Frau als Ministerin, wir hatten die ersten Universitäten, wo Frauen mit Männern gemeinsam studieren konnten, ein funktionierendes demokratisches System. Es gab einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, man fühlte sich nicht alleine. Wenn ich sehe, auf welchen Wegen ich nach Deutschland kam, dass mir andere Syrer geholfen haben, die ich vielleicht zweimal zuvor gesehen hatte in Syrien! Dieses alte Gen wird sich durchsetzen gegen all den Hass, der durch den Krieg entstanden ist. All die Geschichte wird nicht in fünf oder zehn Jahren zerstört werden. Eines Tages können wir den kulturellen Schatz gut brauchen, um unser Land wieder aufzubauen. Aber wenn Waffen sprechen, ist dafür noch nicht die Zeit, keiner von uns hat eine Stimme, dagegen anzukommen. Es gibt nur Hoffnung in den Bildern, die wir in unserem Kopf haben, in unserer Vorstellung von Syrien. Im Kopf und im Herzen. ¶

Hartmut Welscher

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert.