»Und bei euch so?« Die Gespräche über den Ausnahmezustand im Kulturbetrieb sind zur öden Routine geworden. Man weiß was kommt. Geschichten von neuen und wiederverworfenen Plänen, von überstürzt realisierten Digitalprojekten und infrastrukturellen Mängeln, von personellen Engpässen und übermüdeten Eltern, von nächtlichen Anträgen zu aus dem Boden sprießenden Fördertöpfen und kaum zu erfüllen scheinenden Auflagen, von zaghafter Vorfreude auf das nächste Projekt und der Angst vor mangelnder Nachfrage. Die Erfahrungen in den Theatern, Museen und Konzerthäusern ähneln sich allerorten und quer durch die Gewerke. »Was soll man da noch schreiben?«, frage ich die Kolleg:innen in der VAN-Redaktion, als sie mich um eine Einschätzung zur Lage der Musikvermittlung in Zeiten von Corona bitten. Doch sie bleiben hartnäckig und so nehme ich meine homeofficekonformen Noise-Cancelling-Kopfhörer, die ich seit März besitze, und klingle bei den Kolleg:innen durch.

Die Geschichte, die mir viele als Erstes erzählen, fügt sich nahtlos ein in das alte Image der Zunft. Kaum hatte der erste Lockdown begonnen, ploppten auf den privaten Smartphones Nachrichten von den Marketing-Kolleg:innen auf: »Wir sollten mal was bei Facebook posten, wenn wir schon keine Konzerte machen dürfen. Fällt dir da nicht was ein? Was mit Kindern kommt immer gut! Wir haben leider kein Budget und keine konkrete Idee, aber es wäre super, wenn das morgen noch online gehen könnte.« Natürlich hätten sie sich breitschlagen lassen, erzählen die Kolleg:innen. Kaum hatten sie sich versehen, hielten sie im heimischen Wohnzimmer eine Joghurtbecherrassel in die Smartphonekamera, überredeten die Tante zur Mitwirkung im Splitscreen-Chor, ließen sich von alten Kommiliton:innen in eine Videoschnittsoftware einweisen und konzipierten das alljährliche Instrumentenkarussell mit den Orchestermusiker:innen schwuppdiwupp als Onlineformat um.


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