Einiges an dieser Inszenierung ist anregend, einiges diskutierbar, einiges auch anstößig – allein die Musik von Richard Wagner stört in jedem Fall. Als »Roadtrip durch die deutsch-israelische Nachkriegsgeschichte, der sich mit Schuld, Erinnerung und der ewigen Suche nach Erlösung auseinandersetzt«, will der Schweizer Regisseur Milo Rau den Fliegenden Holländer inszenieren. Darin ist, wie sich erweist, die Musik nicht nur vollkommen überflüssig, sie lenkt sogar ab. Ohne die Musik wäre der Abend besser, ohne Wagner. Zumindest ohne jenen Wagner, der hier im Saal der Deutschen Oper Berlin live gespielt wird. Den Wagner allerdings, der in dem stummen Dauervideo des Kunstprojektes »Wagner in Israel« gesungen wird, etwa von einem palästinensischen Sänger, ja, den hätte ich schon gern gehört. Aber auch der wird uns vorenthalten, so wie uns andererseits auch Richard Wagners Der fliegende Holländer vorenthalten wird: weil diese Oper das Regieteam gar nicht interessiert, sondern nur als Nebengrundrauschen für ein paar plakative Statements zum Nahostkonflikt und zum deutsch-israelischen Verhältnis dient.
Aber, und das ist vielleicht noch obszöner, auch die Protagonisten der dem Opernabend aufgepfropften Israel-Palästina-Tour scheinen das Regieteam nicht zu interessieren. Shlomi Moto Wagner, ein linker und queerer Israeli, und Sarah von Schwarze, eine jüdische Israelin aus konvertierter deutscher Familie, treten zwischen den Opernakten als Sprecher auf, die von Identitäten und Konflikten erzählen. Die beiden sind spürbar ernsthafte, nachdenkliche, engagierte Menschen. Ließe man doch nur diese langweilige Oper zwischen ihren Referaten weg! Und ließe man den Dokumentarfilm ungestört laufen, in dem zu sehen ist, wie die beiden mit der tabuisierten Musik des Judenhassers Wagner durch Israel und besetztes Palästina touren. Auf dem Busbahnhof von Jerusalem, wo eine Sängerin mit Klavierbegleitung die Ballade der Senta darbietet (wie nur zu lesen ist, nicht zu hören), wirken die Passanten keineswegs empört; stattdessen werden Handys gezückt und mitgefilmt. Eine Reaktion, die hier offensichtlich nicht anders ausfällt, als es in jedem anderen Bahnhof der Welt wäre.

