In Mexico City kann man Wasser von 7-Eleven in hantelförmigen Flaschen kaufen. Im Urlaub kaufte ich eine und schickte ein Bild von ihr an Michael Maierhof – gerade einer der originellsten Komponisten und ein meisterhafter Manipulator der klanglichen Eigenheiten von Plastik. Sollte ich ihm eine Flasche mitbringen? »Sieht super aus, könnte beispielsweise als 3D-Objekt funktionieren. Bitte bring’ eine mit, wenn du Platz in deiner Tasche hast«, schrieb er.
Einige Wochen zuvor habe ich Maierhof zum ersten Mal in seiner Wohnung nahe der Reeperbahn in Hamburg getroffen. Ich hatte sein Stück Splitting 32.3 gehört, für zwei Perkussionisten, die mit elektrischen Zahnbürsten auf deren Verpackung spielen, Zahnbürse als Bogen, Verpackung als Cello. Das Stück ist geprägt von geräuschhaften Elementen und komplexen Obertonstrukturen. Ich frage ihn wie seine Idee, Plastik als Resonanzboden zu verwenden, entstanden ist. »Irgendwann habe ich von meiner Bank eine elektrische Zahnbürste als Werbegeschenk bekommen. Aus Dankbarkeit habe ich dann tatsächlich eine Zahnversicherung abgeschlossen! Es war eine Oral B – und meine eigene Zahnbürste wollte ich nicht benutzen zum Experimentieren, aber diese lag herum und ich habe angefangen, ohne Bürste, nur mit dem Metallstab, Gegenstände anzuregen. Ich dachte: ›Oh, das hat eine Kraft.‹ Er holt eine alte Zahnbürstenverpackung, fährt mit den Fingern ihre Konturen nach und zeigt mir die Möglichkeiten der Klangproduktion.

