Ein sehr heißer Sommertag. Am Hauptbahnhof in Köln bleiben wegen der Hitze Züge stehen. Hinter dem Fenster der S-Bahn, die einen weiten Bogen um die Stadt Richtung Westen schreibt, gehen die Wohnblöcke bald in Wäldchen und Felder über. Schneller als gedacht ist man hier sehr weit draußen. Ein paar Kids hören auf dem Sitz gegenüber HipHop auf ihrem Handy. Das Sample unter dem Stück könnte von Can sein. Mein Blick fällt auf die Anzeige mit den nächsten Stationen, und wirklich, da steht Weilerswist, das Dorf, in dem die Band lange Zeit ihr Studio hatte und in dem heute ihr Bassist Holger Czukay immer noch als Produzent arbeitet. Zwei Stationen vorher steige ich aus, Erftstadt, in the middle of nowhere. Und irgendwie ist das fast schon symbolisch: Zwischen dem legendären elektronischen Studio des WDRs in Köln und einem der ehemaligen Zentren des experimentellen Rocks treffe ich Markus Stockhausen, einer, der geradezu exemplarisch stilistisch zwischen den Stühlen sitzt, zwischen Neuer Musik, Klassik, Jazz, Rock und völlig freier, intuitiver Musik. Vor dem Bahnhof wartet er schon. Dass er gerade 60 Jahre alt geworden ist, sieht man ihm nicht an. Klar, da sind die inzwischen grauen, nicht mehr schulterlangen Haare. Trotzdem wirkt er, wie er mich da herzlich lächelnd begrüßt und meint »jetzt fahren wir noch ein Stück« (Wie? Noch weiter aufs Land?), überraschend jugendlich: groß, schlank, wache braune Augen. Auf der Weiterfahrt zu seinem Hof, den er vor vielen Jahren zusammen mit einem anderen Musiker gekauft hat, frage ich ihn, wie es ihn in diese Gegend verschlagen hat.


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