Inmitten der diesjährigen Donaueschinger Musiktage entfaltete das Ensemble Resonanz am Samstagnachmittag gemeinsam mit dem SWR Experimentalstudio ein neues Werk von Mark Andre: rwh 1. Das aramäische »Ruach« umfasst das Wortfeld Wind, Geist und Atem. Das Stück ist zerbrechlich, von explosiver Innerlichkeit. Die Musiker sind wie ein Kreuz im Raum verteilt, das Publikum wird von den sensibel und akribisch gesteuerten Klängen eingefasst.Innerhalb des Festivalprogramms – am Tag nach dem mit dem Orchesterpreis ausgezeichneten, 50minütigen, multimedialen Bombastgewitter TRIO von Simon Steen-Andersen für Orchester, Chor, Bigband, Video und Elektronik und direkt nach dem eher leichtfüßigen Remember Me von Gordon Kampe – bilden die von Mark Andre gestalteten 25 Minuten einen Kontrapunkt. Kein Video, kein Knall, keine Performance, kein Meta-Konzept, stattdessen Fragilität, Strenge und Zurückhhaltung. »Ich hatte Sorge«, erzählt er bei einer Apfelschorle mit Eiswürfeln kurz nach der Premiere im Hirschen. »Sorge zu polarisieren.«

VAN: Wie geht es Dir so kurz nach der Uraufführung?

Mark Andre: Ich bin noch in einer Art Schockzustand. Das Stück ist extrem zeitintensiv gewesen, ich habe 18 Monate lang ausschließlich daran gearbeitet. Es war ein solches Privileg. Donaueschingen ist für mich etwas sehr Historisches, ich weiß noch: In dem Jahr war das und das, in dem Jahr war das und das. Dann ist es nach 25 Minuten vorbei, das nächste Konzert hat schon kurz darauf angefangen. Du denkst vielleicht, ich sollte da routinierter sein… Aber es ist wirklich eine Art Starre, auch ganz unabhängig von dem Druck, der natürlich in der Luft liegt. Man hat die tollsten Bedingungen und die Toleranz wird extrem dünn, das ist auch okay mit Mitte 50. Das ist es gar nicht… Das Stück hat mich die letzte Zeit bei allem begleitet, beim Ein- und Ausatmen, auch über den Tod meines Vaters hinweg, dem ich es gewidmet habe. Nun muss ich es loslassen, überlegen, wie es weiter atmen kann und was ich noch verändern will.


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... hat französische und deutsche Literatur sowie Kulturmanagement in Bonn, Paris und Hamburg studiert. Heute arbeitet sie als freie Journalistin, Kuratorin und Dramaturgin im Bereich klassischer Musik. Unter anderem ist sie für die Donaueschinger Musiktage oder die Elbphilharmonie tätig, kuratiert die Philosophiereihe »Bunkersalon« mit dem Ensemble Resonanz, entwickelt die globale Konzertreihe »Outernational« und schreibt für das VAN Magazin.