Das Klima ist vergiftet, der öffentliche Diskurs durch ideologische Eiferer und Desinformation korrumpiert, die mehrheitlich prekär lebende Gesellschaft tief gespalten. Wer sich von den jüngsten Präsidentschaftswahlen in Brasilien eine Wende erhoffte, schaut nach der ersten Runde um so bedrückter in Zukunft. Auch wenn Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der sozialdemokratische Gegenspieler des Rechtsextremisten Jair Bolsonaro, nach der Stichwahl Ende Oktober vermutlich zum dritten Mal das Spitzenamt übernehmen wird, bleibt der Kulturkampf zwischen einem evangelikal befeuerten Autoritarismus und Verfechtern einer aufgeklärten, liberalen, weltoffenen Demokratie bittere Realität. Höchste Zeit, an einen Universalkünstler zu erinnern, der – aus dem Geist der Musik schöpfend – zeitlebens die widersprüchlich flirrende Vielfalt seiner brasilianischen Heimat feierte: Mário de Andrade.
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