Das Klima ist vergiftet, der öffentliche Diskurs durch ideologische Eiferer und Desinformation korrumpiert, die mehrheitlich prekär lebende Gesellschaft tief gespalten. Wer sich von den jüngsten Präsidentschaftswahlen in Brasilien eine Wende erhoffte, schaut nach der ersten Runde um so bedrückter in Zukunft. Auch wenn Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der sozialdemokratische Gegenspieler des Rechtsextremisten Jair Bolsonaro, nach der Stichwahl Ende Oktober vermutlich zum dritten Mal das Spitzenamt übernehmen wird, bleibt der Kulturkampf zwischen einem evangelikal befeuerten Autoritarismus und Verfechtern einer aufgeklärten, liberalen, weltoffenen Demokratie bittere Realität. Höchste Zeit, an einen Universalkünstler zu erinnern, der – aus dem Geist der Musik schöpfend – zeitlebens die widersprüchlich flirrende Vielfalt seiner brasilianischen Heimat feierte: Mário de Andrade.


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schreibt seit den frühen 1990ern über Musik und anverwandte Themen. Als Schüler schlug er sich mit Latein und Altgriechisch herum, sonntags saß er auf der Orgelbank. Seine arg limitierten Tastenkünste mutet er heute nur noch sich selber zu. Drei Jahre lebte er in den USA, zwei Jahre in England. An der Freien Universität Berlin und State University of New York at Buffalo studierte er Germanistik, Anglistik, Amerikanistik und Philosophie. Von 1993 bis 2004 war er der für Musik, Medien und Kunst...